/ 02.01.2014
Jörg Koch (Hrsg.)
Von Helden und Opfern. Kulturgeschichte des deutschen Kriegsgedenkens
Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2013; 204 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-534-26281-6Leider hält das Buch nicht, was der Untertitel – „Kulturgeschichte des deutschen Kriegsgedenkens“ – verspricht: Eine solch umfassende Aufgabe würde eine theoretische Fundierung, zumindest aber eine Auseinandersetzung mit der einschlägigen Literatur erfordern. Beides ist nicht der Fall, und auch geografisch sind die herangezogenen Beispiele nahezu ausschließlich auf den Südwesten Deutschlands beschränkt. Die in der Einleitung angesprochene Wandlung von einer bodenständigen, durch Bevölkerung und Vereine aktiv gestalteten Erinnerung an vergangene Kriege hin zu einer Delegation des Gedenkens an Institutionen, oft auch an den Staat, ist eine interessante These und intuitiv nachvollziehbar. Systematisch hergeleitet und belegt wird sie jedoch nicht. Ungeachtet dessen bietet das Buch eine interessante Auswahl von meist sehr anschaulich beschriebenen Denkmälern und Gedenkveranstaltungen und eine Reihe erhellender Auszüge aus Reden, Zeitungen und öffentlichen Dokumenten. Die Beispiele umfassen den Zeitraum von den Befreiungskriegen bis zum Ehrenmal für die Gefallenen und Toten der Bundeswehr. Insgesamt bietet der Band also eine lohnende Lektüre für Leserinnen und Leser, die Denkmäler, Mahnmale und Erinnerungsstätten sowie ihre zeremonielle Nutzung in ihrem jeweiligen lokalhistorischen Kontext betrachten wollen. Für umfassende Untersuchungen der deutschen (Kriegs‑)Erinnerungskultur mit ihren soziologischen und politischen Aspekten greift man allerdings besser zu anderen Werken.
Christian Becker (BEC)
Dr. rer. pol.
Rubrizierung: 2.35 | 2.31
Empfohlene Zitierweise: Christian Becker, Rezension zu: Jörg Koch (Hrsg.): Von Helden und Opfern. Darmstadt: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36563-von-helden-und-opfern_44733, veröffentlicht am 02.01.2014.
Buch-Nr.: 44733
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Dr. rer. pol.
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