/ 21.06.2013
Politische Anthropologie
Dirk Jörke / Bernd Ladwig (Hrsg.)
Politische Anthropologie. Geschichte – Gegenwart – Möglichkeiten
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2009 (Schriftenreihe der Sektion Politische Theorien und Ideengeschichte in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft 15); 272 S.; 49,- €; ISBN 978-3-8329-3684-6Die Herausgeber erwähnen es zwar an keiner Stelle explizit, sie deuten es nicht einmal zaghaft an, doch mit ihrer „Politischen Anthropologie“ gesellt sich ein weiteres politikwissenschaftliches Buch zum „Darwin-Jahr 2009“. Denn ohne Charles Darwin (und dessen eifrigen Leser Friedrich Nietzsche) gäbe es keine moderne politische Anthropologie, hätte sich ihre Leitfrage wohl nie geändert. Während selbst Kant noch fragte: „Was ist der Mensch?“, konzentrierte sich ...
Dirk Jörke / Bernd Ladwig (Hrsg.)
Politische Anthropologie. Geschichte – Gegenwart – Möglichkeiten
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2009 (Schriftenreihe der Sektion Politische Theorien und Ideengeschichte in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft 15); 272 S.; 49,- €; ISBN 978-3-8329-3684-6Die Herausgeber erwähnen es zwar an keiner Stelle explizit, sie deuten es nicht einmal zaghaft an, doch mit ihrer „Politischen Anthropologie“ gesellt sich ein weiteres politikwissenschaftliches Buch zum „Darwin-Jahr 2009“. Denn ohne Charles Darwin (und dessen eifrigen Leser Friedrich Nietzsche) gäbe es keine moderne politische Anthropologie, hätte sich ihre Leitfrage wohl nie geändert. Während selbst Kant noch fragte: „Was ist der Mensch?“, konzentrierte sich Darwin aufs Individuum, sodass wir heute fragen: „Wer bin ich?“ und politische Ordnungsentwürfe nicht mehr an „den Begriff der menschlichen Natur rückbinden, nicht mehr essentialistisch von „dem“ Wesen des Menschen ausgehen, sondern pluralistisch denken. In den Beiträgen des Bandes, die zuerst auf einer Tagung der Sektion „Politische Theorien und Ideengeschichte“ der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaften an der FU Berlin vorgestellt wurden, behandeln die Autoren politische Anthropologie auch auf einer Metaebene, indem sie immer den Schritt zurück wagen und sich Fragen nach ihrem argumentativen Status in der politischen Theorie, nach ihrem Anspruch und ihrer Rolle als Grundlagendisziplin und nach ihren politischen Implikationen stellen. Dabei kommen längst nicht nur die Gründerväter der deutschen politischen Anthropologie (Scheler, Plessner, Gehlen) zu Wort, sondern es werden auch die anthropologischen Überlegungen und Ansätze etwa bei Habermas, Foucault, Honneth, Nussbaum und Laclau reflektiert. Am anschaulichsten gelingt dies jenen Autoren, die von aktuellsten und grundsätzlichen Themen wie Gentechnik und Menschenrechte ausgehen, womit sie zugleich Möglichkeiten für die in Lehre und Forschung oft vernachlässigte politische Anthropologie aufzeigen.
Tamara Ehs (TE)
Dr. phil., Politikwissenschaftlerin am IWK Wien und Lehrbeauftragte an der Universität Salzburg (http://homepage.univie.ac.at/tamara.ehs/)
Rubrizierung: 5.1 | 5.46 | 5.44 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Tamara Ehs, Rezension zu: Dirk Jörke / Bernd Ladwig (Hrsg.): Politische Anthropologie. Baden-Baden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31215-politische-anthropologie_37128, veröffentlicht am 15.09.2009.
Buch-Nr.: 37128
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Dr. phil., Politikwissenschaftlerin am IWK Wien und Lehrbeauftragte an der Universität Salzburg (http://homepage.univie.ac.at/tamara.ehs/)
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