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/ 13.11.2014
Günter Giesenfeld

Land der Reisfelder. Vietnam, Laos und Kambodscha. Geschichte und Gegenwart

Hamburg: Argument 2013; 448 S.; brosch., 12,- €; ISBN 978-3-88619-491-9
Im Vorwort verspricht Günter Giesenfeld eine „Neubearbeitung und Neuausgabe“ seines erstmals 1981 bei Pahl‑Rugenstein erschienenen Buches, das vom Argument Verlag nun als Klassiker beworben wird. Der Autor kündigt eine „möglichst genaue Aufarbeitung des gegenwärtigen Wissensstandes über den Vietnamkrieg und die Länder, in denen er geführt wurde“ (9) sowie eine „‚historische Einordnung‘“ (10) an. Um es gleich vorwegzunehmen: Diese Einordnung besteht im Kern aus der Feststellung einer weltpolitischen Bedeutung des Vietnamkrieges dadurch, „dass er im wesentlichen Ausmaß durch eine weltweite Antikriegsbewegung tatsächlich zu einem Ende gebracht wurde, das eine der beteiligten Parteien, die USA, nicht so und nicht zu diesem Zeitpunkt wollte“ (234). Leider unterfüttert Giesenfeld diese These durch keinerlei Dokumenten‑ oder Literaturauswertung, seine weiteren Ausführungen in diesem Kapitel sind explizit an „Krieg ohne Fronten“ von Ulrich Greiner, 2007 erschienen (siehe Buch‑Nr. 33259), angelehnt. Damit hat sich die angekündigte „Aufarbeitung des gegenwärtigen Wissensstandes“ aber auch schon fast erschöpft, weite Teile der Darstellung sind auf dem Stand der Literatur der 1970er‑Jahre verblieben. Für die Kapitel über die Historie Vietnams – das eindeutig im Mittelpunkt steht, Laos und Kambodscha werden vergleichsweise stiefmütterlich abgehandelt – mag dies nicht weiter von Bedeutung sein, für die über die jüngere Geschichte und Gegenwart allerdings schon. Das Ignorieren aktueller wissenschaftlicher Literatur etwa über die Doi Moi‑Politik, die so etwas wie eine vietnamesische, auf die Wirtschaft beschränkte Perestroika‑Politik ist, ermöglicht es Giesenfeld aber, an seinem in den 1970er‑Jahren gefestigten, marxistisch inspirierten Weltbild festzuhalten. Die Durchsetzung des kommunistischen Regimes mit Gewalt war demnach ein „immanentes Risiko der gewählten Methode“ (151) und augenscheinlich entschuldbar, wie sich den weiteren Ausführungen entnehmen lässt. Über die Einführung der Doi Moi‑Politik berichtet Giesenfeld ganz im Stil des Neuen Deutschlands, diese Reform „wurde schon den ganzen Sommer über öffentlich diskutiert und stieß vorab auf große Zustimmung in der Bevölkerung“ (378) – wohlbemerkt in einer Diktatur, in der die Medien kontrolliert werden. Fragen nach einer politischen Liberalisierung bleiben ungestellt, sieht Giesenfeld das Regime doch explizit auf dem richtigen Weg. Kambodscha dagegen, das ein Mehrparteiensystem eingeführt hat, stehe „heute viel schlechter da[…] als die beiden Nachbarn Laos und Vietnam, in denen eine Einheitspartei herrscht“ (405).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.684.14.414.222.222.232.25 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Günter Giesenfeld: Land der Reisfelder. Hamburg: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/37766-land-der-reisfelder_43997, veröffentlicht am 13.11.2014. Buch-Nr.: 43997 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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