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/ 20.06.2013
Hans Buchheim

Die Rationalität der politischen Vernunft. Über unlogische Vernunft und unvernünftige Logik. Hrsg. und mit einem Nachwort von Michael Henkel

Berlin: BWV Berliner Wissenschafts-Verlag GmbH 2004 (Schriften des Hellmuth-Loening-Zentrums für Staatswissenschaften e. V., Jena 15); 110 S.; kart., 16,50 €; ISBN 3-8305-0640-6
Ein Plädoyer „gegen die Logik, für die Vernunft“ (7) zu halten, das ist das Ziel der kleinen Schrift über politische Vernunft. Das Buch steht im Zusammenhang mit einem Vortrag Buchheims, den er im November 2003 im Hellmuth-Loening-Zentrum für Staatswissenschaften in Jena hielt. In einem Durchgang durch die politische Ideengeschichte spürt Buchheim einzelne Stationen der Verhältnisbestimmung von theoretischer Logik und praktischer Ratio auf. Er entwickelt ein stringentes Programm einer spezifisch politischen Vernunft, das Antworten auf kritische Fragen nach der Qualität gegenwärtiger Politik zu geben vermag. Wie steht es um die Wahrheit in der Politik? Sollten Politiker immer prinzipientreu sein? Warum kann eine Regierung nicht einen politischen Generalplan einfach konsequent abarbeiten? Müssen offensichtlich sachfremde Gründe politische Entscheidungen beeinflussen? Diesen und ähnlichen Fragen begegnet Buchheim mit seiner Theorie der politischen Vernunft, die ihren eigenen Platz beansprucht und verteidigt gegen bloß theoretische Vernunft, gegen „unvernünftige Logik“. Politik erweist sich so als Kunst des Mehrdeutigen, des Plausiblen, des Synthetischen und des Vorläufigen. Die Studie ist dabei in eindrucksvoll klarer Sprache geschrieben. Damit erscheint sie auch nützlich für die politische Bildungsarbeit, die ja mit einer generellen Skepsis gegenüber der politischen Praxis konfrontiert ist. Henkel zeigt in seinem stärker systematisierenden Nachwort, wie Buchheims Überlegungen zur politischen Rationalität im Kontext seiner Theorie der „Sozialontologie“ stehen. Henkel verdeutlicht auf überzeugende Weise, welch hohen Stellenwert die politische Theorie Buchheims in der zeitgenössischen sozialwissenschaftlichen Debatte über den Konstruktivismus und in der Tradition des amerikanischen Pragmatismus hat.
Sebastian Lasch (LA)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.42 Empfohlene Zitierweise: Sebastian Lasch, Rezension zu: Hans Buchheim: Die Rationalität der politischen Vernunft. Berlin: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23592-die-rationalitaet-der-politischen-vernunft_27092, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 27092 Rezension drucken
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