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/ 22.06.2013
Markus Porsche-Ludwig

Alexander Schwan. Fundamente normativer Politik(wissenschaft) – Eine Werkbiographie

Berlin: Lit 2010 (Biographien zur Zeitgeschichte 3); 369 S.; 34,90 €; ISBN 978-3-643-10487-8
Porsche-Ludwig möchte durch eine systematische Gesamtdarstellung die ursprüngliche Grundintention der politischen Philosophie von Schwan ermitteln, um ihn einerseits als Vertreter der Freiburger Schule vorzustellen und andererseits nach der Reichweite normativer Politikwissenschaft in der Gegenwart insgesamt zu fragen – ein Problem, das der Autor selbst in zahlreichen Publikationen darlegte. Nach einem kurzen Überblick zu Biografie und Forschungsgebieten wird Schwan als Neoaristoteliker vorgestellt, der wie die süddeutsche Politikwissenschaft für die Rückkehr zur klassischen Lehre von der Politik als praktisch-ordnende Wissenschaft plädiert. Porsche-Ludwig stimmt in seiner zunächst einfühlsam und später etwas manieriert geschriebenen Darstellung Schwan zu, dass politische Fragen stets auf philosophische Probleme verweisen: Es ist die Aufgabe der Politikwissenschaft, den Sinn der freiheitlichen Ordnung vor dem Hintergrund unhintergehbarer Grundwerte normativ zu bestimmen. Freiheitlicher Pluralismus wird von Schwan – vor allem in dessen Habilitation zu Gogarten und Bultmann – zunächst durch einen fundamentalanthropologisch-theologischen Personalismus begründet. Dass Schwan diese im Kern aristotelisch-christliche Begründung später kommentarlos generalisiert, verweist jedoch auf ein zentrales Problem seiner politischen Philosophie, einerseits die faktische Pluralität der Moderne anzuerkennen, andererseits auf vormoderne Begründungsstrategien (Aristoteles) zurückzugreifen. Diese plausible Kritik dient dem Autor dazu, Heideggers Metaphysikvorwurf an Aristoteles auf Schwan zu übertragen. Immer wieder kommt Porsche-Ludwig auf einen imaginierten Dialog zwischen Heidegger und Schwan zurück, um ein fundamentalontologisch hergeleitetes „(Nat)-Ur-Recht“ (321) zu begründen, welches das positivistische Politikverständnis unserer Zeit überwinden möge. In dieser Interpretation wird erneut die Sorge des Autors um die fehlende normative Grundlegung der Politikwissenschaft deutlich. Ob jedoch Schwan ein Gefallen getan wird, wenn Heideggers politischer Philosophie die politisch-polemische Spitze seltsam philosophisch abgebrochen wird, dürfte bezweifelt werden.
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 1.31.1 Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Markus Porsche-Ludwig: Alexander Schwan. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33299-alexander-schwan_39821, veröffentlicht am 30.03.2011. Buch-Nr.: 39821 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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