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/ 20.06.2013

Adornos Kritik der politischen Ökonomie

Dirk Braunstein

Adornos Kritik der politischen Ökonomie

Bielefeld: transcript Verlag 2011; 439 S.; 36,80 €; ISBN 978-3-8376-1782-5
Diss. FU Berlin. – Mit dem Anspruch, eine umfassende, disziplinenübergreifende Kritik der Gesellschaft zu formulieren, ist im Rahmen der Frankfurter Schule am stärksten das Werk Theodor W. Adornos verbunden. Am Institut für Sozialforschung hat Adorno – gemeinsam mit Max Horkheimer – seit den späten 20er-Jahren die Konzeption einer Kritischen Theorie betrieben, die zum einen auf der Verknüpfung von Philosophie und Soziologie, zum anderen auf der Integration von psychoanalytische...
Dirk Braunstein

Adornos Kritik der politischen Ökonomie

Bielefeld: transcript Verlag 2011; 439 S.; 36,80 €; ISBN 978-3-8376-1782-5
Diss. FU Berlin. – Mit dem Anspruch, eine umfassende, disziplinenübergreifende Kritik der Gesellschaft zu formulieren, ist im Rahmen der Frankfurter Schule am stärksten das Werk Theodor W. Adornos verbunden. Am Institut für Sozialforschung hat Adorno – gemeinsam mit Max Horkheimer – seit den späten 20er-Jahren die Konzeption einer Kritischen Theorie betrieben, die zum einen auf der Verknüpfung von Philosophie und Soziologie, zum anderen auf der Integration von psychoanalytischen und marxistischen Perspektiven beruhte. In der Literatur über Adorno überwiegt indes der Tenor, sein kritischer Impetus beziehe sich primär auf kulturelle Gehalte – mit der politischen Ökonomie, so das bekannte Urteil von Habermas, habe er sich nie ernsthaft befasst. Dieser Einschätzung widerspricht Braunstein vehement und möchte mit seiner Arbeit zeigen, dass es eine „genuin Adornosche[.] Fassung einer Kritik der politischen Ökonomie“ (10) gibt, die allerdings nicht auf den Status einer mehr oder weniger zutreffenden Marxexegese reduziert werden dürfe. Der Autor verfolgt seine Absicht, die Entwicklung der spezifischen Adorno’schen Ökonomiekritik zu belegen, in drei werkbiografisch ausgerichteten Schritten. Der erste Teil behandelt den jungen Adorno bis Ende der 30er-Jahre – hier geht es im Wesentlichen um die Auseinandersetzung mit Lukács, Benjamin und Sohn-Rethel. In der Zeit des amerikanischen Exils – Gegenstand des zweiten Teils – entstehen mit „Dialektik der Aufklärung“ und „Minima Moralia“ die beiden wegweisenden Werke der Kritischen Theorie. Der dritte Teil betrifft Adornos Arbeiten nach seiner Rückkehr nach Frankfurt, hauptsächlich die erneute Auseinandersetzung mit Marx und deren Spuren in der „Negativen Dialektik“. Auch wenn Braunstein keine gänzlich neuen Züge des Adorno’schen Werkes benennt, so besteht der Reiz seiner Studie nicht zuletzt darin, dass er – über die publizierten Schriften hinaus – in einem großen Umfang Zeugnisse der Lehrtätigkeit Adornos, Vorlesungsabschriften wie Seminarprotokolle, zur Interpretation herangezogen hat.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.46 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Dirk Braunstein: Adornos Kritik der politischen Ökonomie Bielefeld: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21946-adornos-kritik-der-politischen-oekonomie_40953, veröffentlicht am 19.01.2012. Buch-Nr.: 40953 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA