/ 22.06.2013
Detlef Kleinert
Willibald Pahr. Außenminister unter Kreisky. Analysen zum Zeitgeschehen
Wien/Köln/Weimar: Böhlau Verlag 2010; 226 S.; geb., 24,90 €; ISBN 978-3-205-78523-1Der Publizist Kleinert erzählt in der Einleitung, dass er vor einigen Jahren den ehemaligen österreichischen Außenminister Pahr kennen- und als Diskussionspartner schätzen gelernt habe. Aus zahlreichen Gesprächen über die verschiedenen Aspekte der Außenpolitik der Alpenrepublik, aber auch über andere internationale Entwicklungen, sei dieses Buch entstanden. Es handelt sich allerdings nicht um ein stringentes Interview, die einzelnen Passagen werden vielmehr durch „erklärende Zwischentexte“ (13) zusammengehalten. So krankt das Buch gerade an dieser eigentlich sympathischen Entstehungsgeschichte, kommt es doch inhaltlich oft nicht über das Niveau eines privaten Gesprächs hinaus. Dabei ist die thematische Zusammenstellung durchaus anspruchsvoll, in den neun Kapiteln geht es unter anderem um die Frage, warum die EU in Österreich unbeliebt ist, um das komplizierte Verhältnis zu Deutschland, um den Balkan, Afrika und Internationale Organisationen. Fairerweise muss erwähnt werden, dass Pahr offen zugibt, wenn er sich mit einem Thema – etwa mit den Entwicklungen im ehemaligen Jugoslawien – seit Jahren nicht beschäftigt hat. Aber entsprechend dünn ist dann auch der inhaltliche Ertrag. So wird das komplexe Thema, ob die Türkei der EU beitreten sollte oder nicht, letztlich in nur einem Satz abschlägig abgehandelt. Auch stellt sich die Frage, nach welchen Bewertungsmaßstäben überhaupt geurteilt wird – was fängt man als Leser mit dem Gefühl Pahrs an, „dass österreichische Künstler – ich nenne nur stellvertretend für viele andere Kafka [sic!] – von deutscher Seite vereinnahmt wurden“ (48)? Da offenbart sich leider eher eine österreichische Krämerseele und nicht ein auf dem internationalen Parkett geschulter Geist. Kleinert befeuert diesen Eindruck, das in diesem Buch vor allem persönliche Ansichten zu Markte getragen werden, zudem mit seinen von den eigenen politischen Ansichten eingefärbten Fragen und in den gelegentlich sehr langen Zwischentexten. So meint er unter anderem dem damaligen deutschen Bundeskanzler Schröder ein „schlichte[s] Gemüt“ (47) bescheinigen zu müssen. Insgesamt bietet der Band allenfalls eine populärwissenschaftliche Betrachtung der internationalen Politik, fundierte Analysen werden nicht geboten.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.22 | 2.4 | 2.67 | 2.63 | 2.62 | 2.64 | 2.61 | 4.3
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Detlef Kleinert: Willibald Pahr. Wien/Köln/Weimar: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32065-willibald-pahr_38244, veröffentlicht am 13.10.2010.
Buch-Nr.: 38244
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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