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/ 17.06.2013
Immanuel Wallerstein

Utopistik. Historische Alternativen des 21. Jahrhunderts. Aus dem Amerikanischen von Jürgen Pelzer und mit einem Nachwort von Andrea Komlosy

Wien: Promedia 2002; 118 S.; brosch., 9,90 €; ISBN 3-85371-184-7
Als "Utopistik" bezeichnet der US-amerikanische Soziologie-Professor Wallerstein seine "ernsthafte Einschätzung historischer Alternativen" (8). Aufbauend auf der von ihm entwickelten "Weltsystem-Analyse" und seinem Begriff des "Historischen Kapitalismus" kommt Wallerstein zu der Überzeugung, dass das "kapitalistische Weltsystem", zu dem er ausnahmslos alle Staaten zählt, in der Krise sei. Der Übergang in ein neues System kann Wallersteins Ansicht nach bis zu 50 Jahre dauern, was dann komme, sei ungewiss. Als wichtige Dreh- und Angelpunkte der weiteren Entwicklung benennt er unter anderem die "Rettung der Biosphäre" (93) sowie die Forderung, Arbeit stärker mit Auszeichnungen und verstärkter Eigenkontrolle über die Arbeitszeiten zu honorieren statt mit mehr Geld. Auch der Multikulturalismus und die Frauenbewegung seien "unverzichtbare Formen der Rebellion gegen den Missbrauch unseres gegenwärtigen Weltsystems" (98). Wallerstein argumentiert im Rahmen eines von ihm adaptierten Marxismus, wie ihm im Nachwort von der Geschichtsprofessorin Komlosy bescheinigt wird. Seine Diagnose der Krise ist nicht schlüssig, es fehlen die Belege dafür, warum gerade jetzt "die Grundlagen für das historische System der nächsten 500 Jahre" (95) gelegt werden müssen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.24.434.44 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Immanuel Wallerstein: Utopistik. Wien: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16832-utopistik_19343, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19343 Rezension drucken
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