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/ 21.06.2013
Jutta Bakonyi / Stephan Hensell / Jens Siegelberg (Hrsg.)

Gewaltordnungen bewaffneter Gruppen. Ökonomie und Herrschaft nichtstaatlicher Akteure in den Kriegen der Gegenwart

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2006 (Demokratie, Sicherheit, Frieden 181); 332 S.; brosch., 59,- €; ISBN 978-3-8329-2287-0
In der öffentlichen und veröffentlichten Meinung, aber auch in der Politik scheint die Verknüpfung von Terrorismus und Krieg derzeit der zentrale Bezugspunkt für die Interpretation des weltweiten Kriegsgeschehens zu sein. Auch die (Politik-)Wissenschaft kann sich einer derart beschränkten Betrachtungsweise nicht immer entziehen und folgt damit früheren einseitigen Erklärungszyklen wie z. B. dem Mythos der „Stellvertreterkriege“ der Ost-West-Konfrontation, der ethnisch-religiösen Alleinbegründung der Staatenzerfallskonflikte in den 90er-Jahren oder der These vom „Kampf der Kulturen“. Die Herausgeber wollen sich dem Problem moderner bewaffneter Konflikte dagegen aus umfassender gesellschaftstheoretischer Sicht nähern und damit eindimensionale Erklärungsmodelle kriegerischer Gewalt hinter sich lassen. Die Beiträge wurden unter der Kernthese zusammengestellt, dass der Formwandel kriegerischer Gewalt „nur als Ausdruck der widersprüchlichen Entwicklung der kapitalistischen Moderne und der Ungleichzeitigkeit ihrer globalen Durchsetzung“ (29) verstanden werden kann. In insgesamt 19 Einzelfallstudien zu innerstaatlichen Konflikten außerhalb der OECD-Welt werden jeweils Entstehung, Organisationsformen und Perspektiven nichtstaatlicher Gewaltakteure behandelt. Im Mittelpunkt der Analysen steht die Verknüpfung zwischen den theoretisch, aber nicht real distinkten Sphären ihrer ökonomischen Reproduktion, der politischen Herrschaft und der symbolischen Ordnungen. Einen ersten Schritt in Richtung einer vergleichenden Analyse und Systematisierung gehen Bakonyi/Stuvoy, die sich an einer Typologisierung bewaffneter Gruppen versuchen. Die aufgezeigte idealtypische Unterscheidung zwischen „Warlord-Konfiguration“ und „Quasi-Staat“ basiert auf der nicht völlig neuen Grundannahme, dass Kriege nicht den Zusammenbruch jeglicher Ordnung bedeuten, sondern als alternative soziale Ordnungsform analysiert werden können. Insgesamt ist dieser Sammelband ein überfälliger und anregender Schritt hin zu einer wieder differenzierteren Sichtweise auf Ursachen und Akteure moderner Konflikte.
Thomas Henzschel (TH)
Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
Rubrizierung: 2.252.612.652.672.68 Empfohlene Zitierweise: Thomas Henzschel, Rezension zu: Jutta Bakonyi / Stephan Hensell / Jens Siegelberg (Hrsg.): Gewaltordnungen bewaffneter Gruppen. Baden-Baden: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26872-gewaltordnungen-bewaffneter-gruppen_31357, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 31357 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA