/ 04.06.2013
Heiko Ripper
Der Große Kommunikator. Die Medienstrategie Ronald Reagans im Kontext der US-Präsidenten
Freiburg i. Br./München: Verlag Karl Alber 1998 (Alber-Reihe Kommunikation 22); 239 S.; geb., 59,- DM; ISBN 3-495-47840-XSpekulationen über die Macht medialer Inszenierungen von Politikern haben erst vor kurzem die politische Szene der Republik bewegt und sind inzwischen selbst zum Politikum avanciert. Gibt es eine Amerikanisierung der deutschen Politik in Form einer stärkeren Interdependenz von Medien und politischer Macht? Was genau ist unter den vielbeschworenen "amerikanischen Verhältnissen" zu verstehen? Antworten gibt Rippers systemtheoretisch angelegte Monographie, die erstmals eine "Gesamtbetrachtung der Kommunikationsstrategien" (15) zwischen Politik und Medien, besonders für die Reagan-Ära, zu leisten versucht. Ripper kommt zu dem Ergebnis, daß die Medien einerseits in immer stärkerem Maße vom Informationsangebot administrativer PR-Abteilungen abhängig werden und andererseits das politische System im beständigen Kalkül der Medienreaktionen seine eigenständige Handlungsfreiheit immer mehr einbüßt. Dabei steht der US-Präsident in zweifacher Hinsicht an der Schnittstelle zwischen Politik und Öffentlichkeit: Er führt als Spitze der Exekutive den politischen Diskurs in und mit der Öffentlichkeit und muß zugleich (parallel zur Entwicklung der Massenmedien) seine Rolle als Kommunikationsstratege ausfüllen. Dies ist Präsident Reagan perfekt gelungen. Obwohl seine Strategien der Selbstdarstellung nicht neu waren, gelang es der Reagan-Regierung in erstaunlichem Ausmaß, die Medien als Instrument zur eigenen Machtausübung einzubinden. Dabei legt Rippers Untersuchung den Eindruck nahe, daß weniger die Kabinettsmitglieder oder die politischen Planer als vielmehr die Imagepfleger des Präsidenten die eigentliche Regierungspolitik der Reagan-Administration bestimmten, so daß tatsächlich keines der für Reagan kritischen Themen in der öffentlichen Diskussion dauerhaft dominant blieb: Nicht einmal die desolate wirtschaftliche Lage, die Reagan seinem Nachfolger Bush als Hypothek überließ, hielt Medien und Bevölkerung davon ab, Reagan im Januar 1989 einen triumphalen Abschied aus dem Weißen Haus zu bescheren. Der "Große Kommunikator" hatte ganze Arbeit geleistet.
Claudia Bruns (CB)
Dr., Historikerin.
Rubrizierung: 2.64 | 2.24 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Claudia Bruns, Rezension zu: Heiko Ripper: Der Große Kommunikator. Freiburg i. Br./München: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/5032-der-grosse-kommunikator_6631, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 6631
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Dr., Historikerin.
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