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/ 21.06.2013
Alexander Fidora / Matthias Lutz-Bachmann / Andreas Wagner (Hrsg.)

Lex und Ius/Lex and Ius. Beiträge zur Begründung des Rechts in der Philosophie des Mittelalters und der Frühen Neuzeit/Essays on the Foundation of Law in Medieval and Early Modern Philosophy

Stuttgart-Bad Cannstatt: frommann-holzboog 2010 (Politische Philosophie und Rechtstheorie des Mittelalters und der Neuzeit. Reihe II: Untersuchungen 1); XI, 495 S.; Ln., 148,- €; ISBN 978-3-7728-2504-0
Ein auch für Politikwissenschafter relevanter Band über die Begriffs- und Bedeutungsgeschichte von „Lex“ und „Ius“, also „Gesetz“ und „Recht“, ging aus der 2007 abgehaltenen Konferenz des Exzellenzclusters 243 („Die Herausbildung normativer Ordnungen“) hervor. Die Aktualität der Beiträge, in denen sich die Autoren mit rechtstheoretischen Texten des 12. bis 17. Jahrhunderts auseinandersetzen, liegt in der ganz grundlegenden Frage nach den Begründungen des Rechts. Insbesondere Jürgen Miethke greift in seinem Text über die politische Theorie Wilhelms von Ockham anschaulich die Entstehungsgeschichte neuzeitlicher politischer Reflexion aus Konflikten mit der Kirche (oder sogar aus innerkirchlichen, theologischen Streitigkeiten) auf und zeigt, wie zum Beispiel das moderne Widerstandsrecht bereits in Ockhams Aufruf, den Papst abzusetzen, zu finden ist. Miethke hält dementsprechend fest, dass Ockham mit seiner Analyse der kirchlichen Verfassung ein politologisches Begriffsmodell initiierte, „das sich analytisch vielfach anwenden ließ und zu einer klaren Zuweisung politischer Verantwortung“ (265) verhalf. Die Verwurzelung unserer heutigen Begriffe von Recht und Verfassung in der doppelten Tradition von hebräischer Bibel und römischer Rechtstradition zeigt Yossef Schwartz und macht damit einmal mehr deutlich, wie wichtig auch für Politikwissenschaftler eine Auseinandersetzung mit rechtstheoretischen und -philosophischen Fragen, letztlich schlicht ebenso rechtshistorisches Wissen ist, wenn sie das gegenwärtige politische System untersuchen. Darauf weist auch der Ko-Herausgeber des Bandes, Matthias Lutz-Bachmann, hin, wenn er aus mittelalterlichen Texten über die „Normativität des Völkerrechts“ (465) referiert und mit Anmerkungen zu „zeitgenössischen Debatten zur Rolle und Weiterentwicklung des internationalen Rechts“ (483) schließt.
Tamara Ehs (TE)
Dr. phil., Politikwissenschaftlerin am IWK Wien und Lehrbeauftragte an der Universität Salzburg (http://homepage.univie.ac.at/tamara.ehs/)
Rubrizierung: 5.315.32 Empfohlene Zitierweise: Tamara Ehs, Rezension zu: Alexander Fidora / Matthias Lutz-Bachmann / Andreas Wagner (Hrsg.): Lex und Ius/Lex and Ius. Stuttgart-Bad Cannstatt: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31666-lex-und-iuslex-and-ius_37733, veröffentlicht am 04.05.2010. Buch-Nr.: 37733 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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