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/ 22.06.2013
Dan Diner / Gideon Reuveni / Yfaat Weiss (Hrsg.)

Deutsche Zeiten. Geschichte und Lebenswelt. Festschrift zur Emeritierung von Moshe Zimmermann

Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2012; 344 S.; 49,99 €; ISBN 978-3-525-30164-7
Neben Michael Wolffsohn (siehe Buch-Nr. 42516) ist in diesem Jahr mit Moshe Zimmermann ein zweiter Historiker emeritiert worden, der sich große Verdienste um die deutsch-jüdischen Wissenschaftsbeziehungen erworben hat. Weggefährten und Schüler legen aus diesem Anlass eine Festschrift vor, die sich dem Verhältnis von Deutschen und Juden mit zeitlichem Schwerpunkt auf das 20. Jahrhundert widmet. Der Zuschnitt der einzelnen Beiträge ist recht heterogen, neben knappen essayistischen Betrachtungen stehen umfangreiche quellenbasierte Studien. Ob dabei eine Untersuchung zum griechisch-römischen Kulturtransfer unter den Titel „Deutsche Zeiten“ passt, mag bezweifelt werden – aber mit dem Problem, Beiträge passend zusammenzustellen, habe viele derartige Veröffentlichungen zu kämpfen. Insgesamt aber lassen sich doch einige inhaltliche und methodische Gemeinsamkeiten ausmachen. Ein Fokus etwa liegt auf sporthistorischen Zugängen, die zumal – wie im Fall des Beitrags von Petra Terhoeven – eher kultur- als sozialwissenschaftlich ausgerichtet sind. Sie stehen für eine Annäherung beider Positionen, während Zimmermann eher der traditionellen Sozialgeschichtsschreibung zuzurechnen ist. Petra Terhoeven analysiert die Fußball-Weltmeisterschaft des Jahres 1934 in Italien als „Startschuss der Globalisierung des Fußballsports“ (163), aber auch als „ersten Fall einer spektakulären Indienstnahme einer Sportveranstaltung durch ein faschistisches Regime“ (162) noch vor der Berliner Olympiade von 1936. Die Erinnerung an dieses Großereignis bleibt also ambivalent. Für das Verhältnis von Geschichts- und Politikwissenschaft interessant ist der einführende Beitrag von Hans-Ulrich Wehler. Der Bielefelder Alt-Emeritus plädiert darin in gewohnt streitbarer Art für eine größere gegenseitige Befruchtung beider Fächer, die sich in den vergangenen Jahren scheinbar doch sehr voneinander entfernt haben. Trotz bisweilen überflüssiger Seitenhiebe ist ihm in seinem Grundanliegen und dem Lob von entsprechenden „Schlüsselfiguren“ (23) wie Klaus von Beyme oder Manfred G. Schmidt unbedingt zuzustimmen.
Martin Munke (MUN)
M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 1.32.312.35 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Dan Diner / Gideon Reuveni / Yfaat Weiss (Hrsg.): Deutsche Zeiten. Göttingen: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35514-deutsche-zeiten_42840, veröffentlicht am 25.10.2012. Buch-Nr.: 42840 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA