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/ 21.06.2013

Aufstand

Alain Felkel

Aufstand. Die Deutschen als rebellisches Volk

Bergisch Gladbach: Gustav Lübbe Verlag 2009; 608 S.; geb., 22,99 €; ISBN 978-3-7857-2387-6
„Die Deutschen sind ein rebellisches Volk“ (16), behauptet der Historiker Felkel und schlägt in einem populärwissenschaftlichen Kurzschluss den Bogen über 2000 Jahre Geschichte. Er erklärt die Schlacht unter Arminius gegen die Römer zum deutschen Aufstand und der Kreis schließt sich seiner Ansicht nach mit der friedlichen Revolution 1989. „Beide Aufstände beseitigten unerträgliche Rechts- und Gesellschaftszustände“ (11), schreibt Felkel – es ist sicher das erste Mal...
Alain Felkel

Aufstand. Die Deutschen als rebellisches Volk

Bergisch Gladbach: Gustav Lübbe Verlag 2009; 608 S.; geb., 22,99 €; ISBN 978-3-7857-2387-6
„Die Deutschen sind ein rebellisches Volk“ (16), behauptet der Historiker Felkel und schlägt in einem populärwissenschaftlichen Kurzschluss den Bogen über 2000 Jahre Geschichte. Er erklärt die Schlacht unter Arminius gegen die Römer zum deutschen Aufstand und der Kreis schließt sich seiner Ansicht nach mit der friedlichen Revolution 1989. „Beide Aufstände beseitigten unerträgliche Rechts- und Gesellschaftszustände“ (11), schreibt Felkel – es ist sicher das erste Mal, dass die SED-Greise mit den Herrschern des Römischen Reichs verglichen werden. Um seine These vom rebellischen Volk zu stützen, schildert Felkel einige historische Ereignisse. Ein ernst zu nehmender Überblick über die deutsche Historie wird damit nicht vermittelt – und problemlos ließe sich mit anderen Ereignissen die genau gegenteilige Geschichte erzählen. Am auffälligsten ist, dass die NS-Zeit und damit der Holocaust komplett ausgeblendet bleiben – ihr Fehlen macht das Buch geradezu unseriös, eine Erwähnung hätte die These vom rebellischen Volk ad absurdum geführt. Aber sogar die einzelnen Kapitel ergeben durch die Verkürzung der Geschichte auf singuläre Ereignisse eher ein Zerrbild. Ein Beispiel dafür ist die Darstellung Robert Havemanns, der im Juni 1953 als verlängerter Arm der SED versuchte, „die Menge zu spalten“ (536) – dass gerade er der prominenteste Dissident der DDR wurde, wird unterschlagen. Unpassende Formulierungen – wie zum Beispiel „Im Grunde hatte Gorbatschow die DDR längst zum Abschuss [sic!] freigegeben, als er sich am 10. April 1987 von der Breschnew-Doktrin abwandte“ (577) – machen das Buch zudem auch stilistisch zu keinem Lesevergnügen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.312.3 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Alain Felkel: Aufstand. Bergisch Gladbach: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31663-aufstand_37728, veröffentlicht am 16.03.2010. Buch-Nr.: 37728 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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