/ 22.06.2013
Tanja von Fransecky / Andrea Rudorff / Allegra Schneider / Stephan Stracke (Hrsg.)
Kärnten, Slowenien, Triest. Umkämpfte Erinnerungen
Berlin: Assoziation A 2010; 254 S.; 18,- €; ISBN 978-3-935936-92-7Die Autoren, die sich selbst als Geschichtsaktivisten bezeichnen und aus Deutschland, Slowenien, Italien und Österreich stammen, haben gemeinsam die Alpen-Adria-Region bereist und mit Zeitzeugen, Experten und anderen Aktivisten gesprochen. Im Ergebnis ist ein Buch entstanden, dass an Reisende gerichtet ist, die während ihres Aufenthalts in der Region etwas über die NS-Vergangenheit und die aktuellen geschichtspolitischen Auseinandersetzungen erfahren wollen. Damit fehlt den Beiträgen zwar ein wissenschaftlicher Anspruch, auch wird keine Darstellung vorgelegt, die einen Überblick vermitteln würde; gleichwohl wird ein aufschlussreicher Einblick in die Geschehnisse während der Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg vermittelt. Einen Schwerpunkt bildet der Rückblick auf die Partisanenbewegungen und damit auch der Versuch, ihnen einen angemessenen Platz in der Geschichte einzuräumen. Dies scheint geboten, zeigt sich doch in mehreren Beiträgen, dass die kommunistischen Widerstandskämpfer dadurch, dass Jugoslawien nach 1945 kommunistisch wurde und damit ein neues Feindbild bediente, bisher auf der westlichen Seite des (ehemaligen) Eisernen Vorhangs nur wenig gewürdigt wurden und werden. Dies zeigt sich deutlich im österreichischen Kärnten, wo es durch „die Ausblendung der NS-Zeit gelang [...], den Opfer-Täter-Diskurs [...] neu zu bestimmen“ (65), entsprechend würden die (alteingesessenen) Slowenen im Land noch fast wie vor einhundert Jahren als Bedrohung wahrgenommen. Auch in Slowenien, dessen Gesellschaft geschichtspolitisch gespalten sei, würden zum Teil die NS-Kollaborateure als gute Kämpfer gegen den Kommunismus gesehen. Für den italienischen Teil der Region kritisieren die Autoren, dass sich ein Tätergedenken durchgesetzt habe und nur wenig den slowenischen und kroatischen Zivilisten gedacht werde, die vom faschistischen Italien interniert worden waren. Deutlich wird so insgesamt, dass es offenbar bis in die Gegenwart hinein keinen länderübergreifenden Konsens in der Region über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus und die damalige und heutige Stellung von Minderheiten gibt.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.23 | 2.61 | 2.4
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Tanja von Fransecky / Andrea Rudorff / Allegra Schneider / Stephan Stracke (Hrsg.): Kärnten, Slowenien, Triest. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33428-kaernten-slowenien-triest_39998, veröffentlicht am 13.04.2011.
Buch-Nr.: 39998
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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