/ 04.06.2013
Christoph Lotter
Die Parlamentarische Versammlung der Westeuropäischen Union. Demokratische Kontrolle europäischer Sicherheitspolitik
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 1997 (Nomos Universitätsschriften: Politik 73); 244 S.; brosch., 79,- DM; ISBN 3-7890-4842-9Politikwiss. Diss. Jena; Erstgutachter: R. Seidelmann. - Demokratische, parlamentarische Kontrolle militärischer Macht ist ebenso notwendig wie kompliziert, und dies verstärkt sich, wenn es sich nicht um nationale Kontrollmechanismen, sondern das komplexe Feld internationaler Sicherheitspolitik handelt. Auf europäischer Ebene hat die "schrittweise Vergemeinschaftung [...] im sicherheits- und verteidigungspolitischen Bereich ein gleichzeitiges Nebeneinander von Kompetenzen und Handlungsfähigkeiten entstehen [lassen], deren demokratische Kontrolle schwierig zu gewährleisten ist. So sind mit den Nationalstaaten, der EU, der Westeuropäischen Union (WEU) und der Organisation des Nordatlantikvertrags (NATO) mehrere Akteure für Fragen der Sicherheit in Europa relevant, die unterschiedliche Möglichkeiten demokratischer Exekutivkontrolle aufweisen." (10) Mit dem Thema seiner Arbeit hat Lotter sich einem der Akteure zugewandt, der sicherlich nicht zu den bekanntesten in diesem Bereich gehört, und der dementsprechend auch in der Forschung nicht überrepräsentiert ist. Lotter muß mithin vielfach Neuland beschreiten, und er tut dies mit überzeugenden Resultaten. Nach der Darstellung der Organisationsstruktur der WEU wendet er sich einer Funktionsanalyse der Versammlung und ihrer Ausschüsse zu, der sich eine Betrachtung der wechselnden Aufgaben anschließt. Besonders ausführlich wird dann die Arbeit der deutschen Delegation und ihre Einbindung in die nationale Politik untersucht. Die nüchterne Schlußbetrachtung des Autors billigt der WEU selber keine große eigenständige Zukunft zu, kommt jedoch zu der Einschätzung, daß die parlamentarische Versammlung in der Lage ist, ihre Kontrollfunktion überwiegend wahrzunehmen. Die Arbeit ist ein gewichtiger Beitrag nicht nur zur Analyse der sicherheitspolitischen Strukturen Europas, sondern auch zur Funktionsweise übernationaler Parlamente.
Aus dem Inhalt: 2. Das Entstehen einer neuen Struktur Europas; 3. Forschungsstand; 4. Organisation der Westeuropäischen Union; 5. Funktionen parlamentarischer Arbeit; 6. Zusammensetzung und Struktur der Versammlung; 7. Arbeitsinhalte der Versammlung (1983-1993); 8. Befragung der Deutschen Delegation.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 4.3 | 4.21 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Christoph Lotter: Die Parlamentarische Versammlung der Westeuropäischen Union. Baden-Baden: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6010-die-parlamentarische-versammlung-der-westeuropaeischen-union_8184, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 8184
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Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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