/ 21.06.2013
Verbrecher und andere Deutsche
Willy Brandt
Verbrecher und andere Deutsche. Ein Bericht aus Deutschland 1946. Bearb. von Einhart Lorenz
Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 2007 (Willy-Brandt-Dokumente 1); 399 S.; brosch., 26,- €; ISBN 978-3-8012-0380-1Ergänzend zur „Berliner Ausgabe“ werden in dieser neuen Reihe bedeutende Schriften, Manuskripte und Briefe des Politikers herausgegeben. Zum Auftakt erscheint erstmals in einer vollständigen deutschen Übersetzung „Verbrecher und andere Deutsche“. Brandt veröffentlichte das Buch im Juni 1946 in Norwegen, im August des Jahres erschien es auch in Schweden. Lorenz verweist in seiner Einleitung darauf, dass gerade diese Publikation immer wieder zur Diffamierung Brandts benutzt...
Willy Brandt
Verbrecher und andere Deutsche. Ein Bericht aus Deutschland 1946. Bearb. von Einhart Lorenz
Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 2007 (Willy-Brandt-Dokumente 1); 399 S.; brosch., 26,- €; ISBN 978-3-8012-0380-1Ergänzend zur „Berliner Ausgabe“ werden in dieser neuen Reihe bedeutende Schriften, Manuskripte und Briefe des Politikers herausgegeben. Zum Auftakt erscheint erstmals in einer vollständigen deutschen Übersetzung „Verbrecher und andere Deutsche“. Brandt veröffentlichte das Buch im Juni 1946 in Norwegen, im August des Jahres erschien es auch in Schweden. Lorenz verweist in seiner Einleitung darauf, dass gerade diese Publikation immer wieder zur Diffamierung Brandts benutzt wurde – eher in Unkenntnis des Inhalts und vor allem in dem Wissen, dass dem deutschen Publikum keine Übersetzung zur Verfügung stand. Tatsächlich aber zeichnet sich das Buch – auch in der Rückschau – durch eine ausgewogene Betrachtung aus. Im ersten Kapitel differenziert Brandt zwischen den Deutschen allgemein und den Nazigegnern im Besonderen auf der einen Seite und den Nationalsozialisten auf der anderen Seite. Entsprechend lehnt er die Kollektivschuld ab – und nimmt im gleichen Atemzug alle Deutschen in die Verantwortung. Sie könnten sich „nicht den Konsequenzen einer Politik entziehen, der sich ein allzu großer Teil desselben Volkes bereitwillig angeschlossen hatte“ (55 f.). Das zweite und dritte Kapitel umfassen einen Bericht der Nürnberger Prozesse, in den Kapiteln vier bis sieben beschreibt Brandt die Lage in Deutschland im Winter 1945/46 und denkt über die Zukunft des Landes nach. Klarsichtig beschreibt er die sich rasch verfestigende Grenze zu Polen an der Oder-Neiße-Linie, trotz einer noch allgemein verbreiteten Hoffnung auf einen Gebietsrückgewinn. „Die planmäßige Polonisierung, die bereits stattgefunden hat, und die noch weitergehen wird, bevor die Friedenskonferenz zusammentritt, deutet jedoch darauf hin, dass ‚neue Tatsachen’ dauerhafteren Charakters geschaffen werden.“ (331) Ebenfalls schon 1945/46 erkannte Brandt in politischen und wirtschaftlichen Anzeichen den Beginn der deutschen Teilung – eine „derartige Entwicklung wäre für Deutschland unglücklich“ (332 f.), fügte er hinzu.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Willy Brandt: Verbrecher und andere Deutsche. Bonn: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28268-verbrecher-und-andere-deutsche_33261, veröffentlicht am 03.04.2008.
Buch-Nr.: 33261
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