/ 22.06.2013
Kristina Charrad
Participants or Observers in European Governance? Civil Society Lobbyists from Central and Eastern Europe in Brussels
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2010 (European Civil Society 4); 201 S.; 29,- €; ISBN 978-3-8329-5509-0Politikwiss. Diss. Münster; Gutachterin: A. Zimmer. – Die Integration zivilgesellschaftlicher Interessengruppen auf europäischer Ebene stellt für die neuen mittel- und osteuropäischen Beitrittsländer (MOEL) eine zweifache Herausforderung dar. Zum einen sind die Folgen der inneren Transformationsprozesse ehemaliger sozialistischer Staaten hinsichtlich der Selbstorganisation und Vernetzung von Verbänden, Lobbyisten und Nichtregierungsorganisationen immer noch zu spüren. Ein pluralistisches System unabhängiger Interessengruppen konnte nur schrittweise ausgebaut werden. Zum anderen vollzog sich die Einbindung von privaten und zivilgesellschaftlichen Akteuren der MOEL in das Mehrebenensystem der EU sehr langsam. Die Autorin analysiert am Beispiel der Visegrad-Staaten den Entwicklungsstand und die Wirkmächtigkeit von Interessengruppen in europäischen Entscheidungsprozessen. Exemplarisch werden dabei die im Kontext der Dienstleistungsrichtlinie involvierten wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure ebenso wie professionelle Lobbyisten und Politikberatungsagenturen untersucht. Mithilfe einer standardisierten Befragung und quantitativen Netzwerkanalyse veranschaulicht die Autorin Schwerpunkte des Kommunikations- und Informationsflusses, die Reichweite und den Grad der Vernetzung zwischen den Akteuren, deren Wertschätzung und Ansehen innerhalb des untersuchten Politiknetzwerks sowie Gewichtungen zwischen „main players“, „outsiders“ und „brokers“ (117 f.). In einer ergänzenden qualitativen Untersuchung werden anhand von Experteninterviews die Gründe analysiert, warum die Akteure der Visegrad-Staaten im europäischen Mehrebenensystem überwiegend in der Beobachterposition verharren. Die Untersuchung zeigt, dass die Vertreter der Zivilgesellschaft in den analysierten MOEL ihre Positionen bislang nicht offensiv vortragen und proaktiv ihre Interessen in den Willensbildungsprozess einbringen konnten. Zu den Ursachen zählen u. a. die mangelnde Vernetzung untereinander ebenso wie die fehlende Kooperation mit staatlichen Akteuren auf nationaler und europäischer Ebene, außerdem allgemeine Vorbehalte gegenüber Lobbying-Strategien und nahe liegenden Fragen finanzieller und personeller Ressourcen. Die Studie gibt einen detaillierten und aufschlussreichen Einblick in die Wirkungsweisen europäischer Governance-Strukturen und erhellt zentrale Bedingungen und Voraussetzungen für eine nachhaltige Interessenvertretung.
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 3.4
Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Kristina Charrad: Participants or Observers in European Governance? Baden-Baden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32629-participants-or-observers-in-european-governance_38941, veröffentlicht am 09.11.2010.
Buch-Nr.: 38941
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Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
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