/ 19.06.2013
Denken vom Staat her
Frieder Günther
Denken vom Staat her. Die bundesdeutsche Staatsrechtslehre zwischen Dezision und Integration 1949-1970
München: R. Oldenbourg Verlag 2004 (Ordnungssysteme 15); 363 S.; 69,80 €; ISBN 3-486-56818-3Geschichtswiss. Diss. Tübingen; Gutachter: A. Doering-Manteuffel. - Unter welchem Gesichtspunkt kann die Staatsrechtslehre der noch jungen Bundesrepublik auf den Begriff gebracht werden? Günther vertritt die These, dass die Auseinandersetzung zwischen der Schmitt-Schule und der Smend-Schule (Dezision versus Integration) im Zentrum der Staatsrechtslehre der Nachkriegszeit stand. Dass und wie sich diese beiden Schulen als „Denkkollektive" formierten, weist der Verfasser detailliert nach. Insbesond...
Frieder Günther
Denken vom Staat her. Die bundesdeutsche Staatsrechtslehre zwischen Dezision und Integration 1949-1970
München: R. Oldenbourg Verlag 2004 (Ordnungssysteme 15); 363 S.; 69,80 €; ISBN 3-486-56818-3Geschichtswiss. Diss. Tübingen; Gutachter: A. Doering-Manteuffel. - Unter welchem Gesichtspunkt kann die Staatsrechtslehre der noch jungen Bundesrepublik auf den Begriff gebracht werden? Günther vertritt die These, dass die Auseinandersetzung zwischen der Schmitt-Schule und der Smend-Schule (Dezision versus Integration) im Zentrum der Staatsrechtslehre der Nachkriegszeit stand. Dass und wie sich diese beiden Schulen als „Denkkollektive" formierten, weist der Verfasser detailliert nach. Insbesondere die Auswertung und der auszugsweise Abdruck von Briefwechseln der Protagonisten vermitteln interessante Einblicke in die durchaus strategisch ausgerichtete wissenschaftliche Produktion der beiden Lager. Die Smend-Schule, der die Sympathie Günthers gilt, wird als Verfechterin einer „Westernisierung" und Pluralisierung der Staatsrechtslehre beschrieben, der Schmitt-Schule hingegen ihr Etatismus zum Vorwurf gemacht. Mit „Denken vom Staat her" wird die Ausrichtung der Staatsrechtslehre am überkommenen Staatsbegriff in den 50er-Jahren gekennzeichnet und auf eine Entwicklung verwiesen, die zu Beginn der 70er-Jahre zu einer „Staatsrechtslehre ohne Staat" führte. Politikwissenschaftliche Bedeutung gewinnt die Studie weniger aus den verwendeten Konzepten der „Denkkollektive" und der „Westernisierung", als vielmehr aus ihrem Blick auf die personellen Hintergründe der staatstheoretischen Debatte und aus den Verweisen auf das spannungsvolle Verhältnis von Öffentlichem Recht und der sich etablierenden Politikwissenschaft dieser Jahre.
Sebastian Lasch (LA)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.41 | 2.3
Empfohlene Zitierweise: Sebastian Lasch, Rezension zu: Frieder Günther: Denken vom Staat her. München: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21161-denken-vom-staat-her_24687, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 24687
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M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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