/ 17.06.2013
Die deliberative Rationalität des Politischen
Marco Estrada Saavedra
Die deliberative Rationalität des Politischen. Eine Interpretation der Urteilslehre Hannah Arendts
Würzburg: Königshausen & Neumann 2002 (Epistemata: Reihe Philosophie 323); 293 S.; 44,- €; ISBN 3-8260-2182-7Politikwiss. Diss. Hamburg. - Saavedra sieht die Urteilslehre Arendts im Zentrum ihrer politischen Theorie. Da Arendt ihr Buch über das Urteilen als Ergänzung von „Denken" und „Wollen" in der Trias des Projekts „The Life of the Mind" nicht mehr abschließen konnte, ist dabei ausgehend von ihrer 1970 an der New School for Social Research gehaltenen Vorlesung zu Kant die Rückbindung an zentrale Aussagen in ihrem veröffentlichten Werk zu suchen. Dies unternimmt Saavedra nicht nur mit Blick auf die A...
Marco Estrada Saavedra
Die deliberative Rationalität des Politischen. Eine Interpretation der Urteilslehre Hannah Arendts
Würzburg: Königshausen & Neumann 2002 (Epistemata: Reihe Philosophie 323); 293 S.; 44,- €; ISBN 3-8260-2182-7Politikwiss. Diss. Hamburg. - Saavedra sieht die Urteilslehre Arendts im Zentrum ihrer politischen Theorie. Da Arendt ihr Buch über das Urteilen als Ergänzung von „Denken" und „Wollen" in der Trias des Projekts „The Life of the Mind" nicht mehr abschließen konnte, ist dabei ausgehend von ihrer 1970 an der New School for Social Research gehaltenen Vorlesung zu Kant die Rückbindung an zentrale Aussagen in ihrem veröffentlichten Werk zu suchen. Dies unternimmt Saavedra nicht nur mit Blick auf die Aussagen einzelner Bücher wie etwa der „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft" oder „Eichmann in Jerusalem", sondern auch über eine Betrachtung von Arendts „Methode", unter die man u. a. das von ihr realisierte wie postulierte „Storytelling" zählen kann. Gelegentlich unterschiedenes „philosophisches" und „politisches" Werk Arendts sind in dieser Perspektive aufeinander angewiesen: „Die politische Relevanz der Arendtschen Urteilslehre liegt darin, dass sie aus einem Deliberationsverfahren besteht, in dem die Meinungen von ihrer Beschränktheit und subjektiven Borniertheit befreit werden, ohne dass sie sich in apodiktische Wahrheiten verwandeln, und trotzdem die Möglichkeit aufrechterhalten wird, eine politisch freie Zustimmung durch überzeugende Gründe zu erreichen und weder die menschliche Pluralität noch die politische Differenz zu vernichten." (13)
Inhaltsübersicht: 1. Hannah Arendts Theorie des politischen Handelns; 2. Zwischen Pluralität und Freiheit: Der Wille und sein politisches Defizit; 3. Traditionsbruch, Weltentfremdung und Urteilskraft; 4. Das Urteilen bei Hannah Arendt; 5. Die Moral, das Denken und die Banalität des Bösen. Die moralische Relevanz der Urteilskraft; 6. Die historische Imagination: Urteilskraft, Storytelling, Epistemologie und Methode; 7. Die Theorien der politischen Urteilskraft in der zeitgenössischen politischen Philosophie.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 5.46 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Marco Estrada Saavedra: Die deliberative Rationalität des Politischen. Würzburg: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16827-die-deliberative-rationalitaet-des-politischen_19335, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19335
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Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
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