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/ 20.06.2013
Dagmar Deckstein / Peter Felixberger / Michael Gleich / Wolf Lotter

Wir kündigen! Und definieren das Land neu

München/Wien: Carl Hanser Verlag 2005; 192 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-446-40048-6
Die Autoren, allesamt Journalisten, wollen lexikonartig zentrale Begriffe der aktuellen Debatte zum Umbau der Arbeitsgesellschaft wie beispielsweise Erfolg, Leistung oder Nachhaltigkeit neu definieren und damit „Leitbilder einer mutigeren Zukunft“ entwickeln. Herausgekommen ist ein Bild des modernen Menschen, in dem Individualisierung als totale Selbstverwirklichung propagiert wird. Vor der überholten Folie des Spießers, der sein Leben als Lohnknecht verbringt, um sein Eigenheim und das kleine Urlaubsglück zu finanzieren, wird eine Arbeitsgesellschaft skizziert, in der jeder Einzelne ausschließlich seinen Wünschen und Zielen folgt und dabei seine freie Wahl aus dem Selbstbedienungsladen der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten und Chancen trifft. Die damit verbundenen Probleme werden einfach ausgeblendet: der Zwang zur absoluten Vermarktung des eigenen Selbst, die Tatsache, dass Kommerzialisierung bzw. Marktgängigkeit von Arbeit häufig gerade das Gegenteil von Selbstverwirklichung darstellen, die Erledigung von Arbeiten, die beim besten Willen nicht mehr als Selbstverwirklichung gedacht werden können. Damit treffen die Autoren zwar den neoliberalen Mainstream und ihre flott geschriebene Unterhaltungslektüre ist auch bestimmt gut verkäuflich, wirklich durchdacht oder gar wissenschaftlich fundiert ist sie jedoch nicht.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.32.342.35 Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Dagmar Deckstein / Peter Felixberger / Michael Gleich / Wolf Lotter: Wir kündigen! München/Wien: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23883-wir-kuendigen_27456, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 27456 Rezension drucken
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