/ 22.06.2013
Otto Depenheuer / Christoph Grabenwarter (Hrsg.)
Verfassungstheorie
Tübingen: Mohr Siebeck 2010; X, 972 S.; Ln., 149,- €; ISBN 978-3-16-150631-4Die Rolle der Verfassungstheorie ist eine dienende – so jedenfalls sehen es die Herausgeber dieses umfangreichen Bandes. Für Depenheuer und Grabenwarter erfüllt die Verfassungstheorie folgende Funktionen: „Sie dient der Verfassungsrechtsdogmatik, indem sie stillschweigend zugrunde gelegte Vorverständnisse offenlegt, Verfassungsvoraussetzungen und -erwartungen nachspürt sowie Leitbilder, d. h. den ‚telos’ einer Verfassung, rekonstruiert.“ Zudem dient die Verfassungstheorie der „Verfassungsvergleichung [...] als Basis für die Bildung von Kategorien und Institutionen jenseits einer konkreten Rechtsordnung“ (VI). Mit anderen Worten: Die Verfassungstheorie stellt das intellektuelle „Rüstzeug“ bereit, mit dem konstitutionelle Ordnungen in einem umfassenden Sinne untersucht und miteinander in Beziehung gesetzt werden können. Die 27 Beiträge, die dieser Band vereint, betrachten die einzelnen Aspekte dieses weit gefächerten Gegenstandsbereichs aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Entstanden ist dadurch eine systematische Bestandaufnahme des verfassungstheoretischen State of the Art. Gleichwohl ist der Band dabei nur auf juristische Perspektiven beschränkt. Beiträge von Historikern, Ökonomen oder Politologen sucht man vergebens und es wird deutlich, dass die Herausgeber und Autoren Verfassungstheorie nicht als ein interdisziplinäres Unterfangen begreifen, sondern in ihr ein exklusives Fachgebiet der Rechtswissenschaft sehen. Dennoch hält der Band auch für Nichtjuristen eine Fülle von wertvollen Informationen bereit. Er gibt Auskunft über die wichtigsten Ideen, Prinzipien und Leitbilder, die die Entwicklung des demokratischen Verfassungsstaates seit mehr als 200 Jahren beeinflusst haben. Aber auch neuere Aspekte, zum Beispiel die Internationalisierung der Verfassungsordnung, werden thematisiert. Die Orientierung in den nach bester juristischer Manier aufgebauten Beiträgen erleichtern kommentierte Randzeichen. Sie unterstreichen einmal mehr den Handbuch-Charakter dieses hervorragend editierten Bandes, der sicherlich bald zu einem Standardwerk der verfassungstheoretischen Forschung avancieren wird.
Jörn Ketelhut (JK)
Dr., Dipl.-Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 5.41
Empfohlene Zitierweise: Jörn Ketelhut, Rezension zu: Otto Depenheuer / Christoph Grabenwarter (Hrsg.): Verfassungstheorie Tübingen: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33310-verfassungstheorie_39835, veröffentlicht am 01.03.2011.
Buch-Nr.: 39835
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Dr., Dipl.-Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
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