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/ 11.06.2013

Politische Rhetorik

Detlef Grieswelle

Politische Rhetorik. Macht der Rede, öffentliche Legitimation, Stiftung von Konsens

Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag 2000 (DUV: Sozialwissenschaft); 519 S.; ISBN 3-8244-4389-9
Dem Kultursoziologen Grieswelle geht es in seiner ausführlichen Darstellung sowohl um grundsätzliche Probleme und Strukturen der politischen Rhetorik (worunter er im Speziellen auch die "Wiederbelebung" und Vergegenwärtigung der antiken Rhetorik versteht) und die geschichtlich sowie kulturell bedingten Erscheinungsformen und Vermittlungsprobleme politischer Rede. Basierend auf einer weitreichenden Auswertung linguistischer, kommunikationstheoretischer, sprachsoziologischer und politikwissenschaf...
Detlef Grieswelle

Politische Rhetorik. Macht der Rede, öffentliche Legitimation, Stiftung von Konsens

Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag 2000 (DUV: Sozialwissenschaft); 519 S.; brosch., 118,- DM; ISBN 3-8244-4389-9
Dem Kultursoziologen Grieswelle geht es in seiner ausführlichen Darstellung sowohl um grundsätzliche Probleme und Strukturen der politischen Rhetorik (worunter er im Speziellen auch die "Wiederbelebung" und Vergegenwärtigung der antiken Rhetorik versteht) und die geschichtlich sowie kulturell bedingten Erscheinungsformen und Vermittlungsprobleme politischer Rede. Basierend auf einer weitreichenden Auswertung linguistischer, kommunikationstheoretischer, sprachsoziologischer und politikwissenschaftlicher Literatur akzentuiert Grieswelle besonders die "Verwandtschaft" von Politik und Rhetorik: "Die typischen rhetorischen Probleme sind wie die Probleme in der Politik strittig, offen, unentschieden, und es geht darum, die möglichen Überzeugungsmittel zu finden, um die eigenen Meinungen in Rede und Gegenrede zu konkurrierenden Meinungen zu behaupten." (19) Diese Aufgabe könne sich nicht in einer bloßen "Sozialtechnologie des Überredens" (22) erschöpfen. Mit Blick auf die historischen Belastungen politischer Rede in Deutschland, den Vertrauensverlust der Politiker, die Unterschiede zwischen Ost und West oder den Wertewandel zeigt sich für Grieswelle ein spezifisches Anforderungsprofil an gegenwärtige politische Rede in der Bundesrepublik: "Wenn Zumutungen an die Bevölkerung herangetragen werden, Besitzstände abzubauen sind, neue Orientierungen wie Solidarität für die innere Einheit Deutschlands, weniger Sozialstaatstätigkeit, mehr Flexibilität gesellschaftlicher Ordnung und Denken in langfristiger Perspektive weiten Kreisen unserer Bevölkerung plausibel zu machen sind, dann bedarf es guter Argumente und insgesamt der breiten Palette von Überzeugungsmitteln, um Ziele und Akzeptanz bei den Bürgern zu finden." (24) Dazu will Grieswelle, der auch als Berater in der Bundesverwaltung tätig ist, mit seinen Ausführungen zu Struktur und Funktionsbedingungen der Rede beitragen. Aus dem Inhalt: 1. Renaissance der Rhetorik und rhetorisches Paradigma; 2. Rhetorik, Macht und politische Ordnung; 3. Prozess der Rede und Heuristik für die Analyse politischer Rhetorik; 4. Geschichte der politischen Rhetorik; 5. Politische Religion in Form der Agitation; 6. Politische Willensbildung; 7. Heutige Diskurs- und Vermittlungsprobleme politischer Gestaltung; 8. Strategien zur politischen Identifikation und Stiftung von Konsens; 9. Defizite politischer Rhetorikkultur; 10. Öffentliche Rede der Intellektuellen und Eliten; 11. Resümee: Probleme einer Rhetorik politischer Argumentation.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 2.242.35 Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Detlef Grieswelle: Politische Rhetorik. Wiesbaden: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12064-politische-rhetorik_14390, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 14390 Rezension drucken
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