/ 21.06.2013
Werner Schiffauer
Parallelgesellschaften. Wie viel Wertekonsens braucht unsere Gesellschaft? Für eine kluge Politik der Differenz
Bielefeld: transcript 2008 (xtexte); 147 S.; 16,80 €; ISBN 978-3-89942-643-4Die Position des Multikulturalismus ist nicht nur in Deutschland in die Defensive geraten – angesichts etlicher Konflikte zwischen Mehrheitsgesellschaft und Zuwanderergruppen wird in der politischen Öffentlichkeit vor der Entstehung von Parallelgesellschaften gewarnt, die – kulturell homogen – eigenen Vorstellungen von Rechten und Normen folgen. Als Belege einer derartigen Abkoppelung werden vielfach das demonstrative Festhalten an Symbolen der Herkunftskultur (wie das Kopftuch) oder eine mit dem Islam identifizierte Praxis patriarchaler Ehrenvorstellungen herangezogen. Schiffauer greift diese Debatte über den Zusammenhang von Kultur und gesellschaftlicher Integration auf und problematisiert in überzeugender Weise die in diesem Kontext geltend gemachten Annahmen. Weder die unter dem Etikett einer (deutschen) Leitkultur erhobene Forderung eines für alle verbindlichen dichten Wertekonsenses noch die Gegenposition, die Toleranz für das Nebeneinander verschiedener Ethnien verlangt, werden der Realität der sich je nach sozialem Kontext vielfach überlappenden kulturellen Orientierungen gerecht. Schiffauer plädiert vielmehr für eine Kultur der Diversität, „weil gesellschaftliche Solidarität auch in Situation kultureller Differenz entsteht und behauptet werden kann“ (18). Diese These entwickelt er auf der Basis von drei ethnologischen Fallstudien, die spezifische Konflikt/index.php?option=com_content&view=article&id=41317 behandeln: die Frage der Ehrenmorde, die Rolle islamischer Gemeinden in Einwanderervierteln und schließlich die Identitätssuche von jungen Menschen mit Migrationshintergrund. In der Kommentierung dieser Befunde hebt Schiffauer die empirischen Möglichkeiten einer Respektierung von Differenz hervor, die in sozialphilosophischer Perspektive von Rawls und Habermas als „overlapping consensus“ theoretisch postuliert worden sind.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.35
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Werner Schiffauer: Parallelgesellschaften. Bielefeld: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29926-parallelgesellschaften_35461, veröffentlicht am 11.03.2009.
Buch-Nr.: 35461
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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