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/ 22.06.2013
Petra Roth

Aufstand der Städte. Metropolen entscheiden über unser Überleben

Frankfurt a. M.: Westend Verlag 2011; 220 S.; 22,95 €; ISBN 978-3-938060-66-7
Mit Politiker-Büchern ist das immer so eine Sache – einerseits sind sie nah am Puls des Geschehens formuliert, andererseits besteht doch immer die Gefahr der retrospektiven Rechtfertigung eigenen Tuns. Wenn dann Petra Roth als langjährige Frankfurter Oberbürgermeisterin und Vorsitzende des Deutschen Städtetages ein Buch mit dem Titel „Aufstand der Städte“ veröffentlicht, dann deutet schon der Titel auf ein vehementes Plädoyer für Roths ureigenste Sache: die Verteidigung des aus ihrer Sicht urpolitischen Raumes, der Keimzelle des Politischen, der Stadt. Um es gleich vorweg zu nehmen: Die 220 inhaltlich weit ausgreifenden Seiten des Bandes sind bei Weitem nicht so martialisch oder Furcht einflößend, gar düster formuliert, wie der Titel das verheißt. Etwas weniger hätte der historisch etwas bemüht wirkenden, ansonsten aber nüchtern, jedoch kaum bieder formulierten Analyse von Herausforderungen und Gestaltungsoptionen deutscher Kommunalpolitik, zumindest was den Titel anbelangt, wohl besser zu Gesicht gestanden. Was den Innenteil betrifft, so findet sich dort eine wohl treffende, jedoch kaum innovative Analyse der kommunalpolitischen Gegenwart. Dass Städte mit heterogenen Einwohnerschaften und enger werdenden finanziellen Spielräumen zu kämpfen haben (Letzteres etwa auch wegen zu riskanter, manche würden sagen: unsinniger Cross-Border-Leasing-Verträge aus den späten 90er-Jahren, worüber Roth jedoch schweigt) ist nun wirklich keine neue Einsicht mehr. Gleiches gilt für die Innovationsfront: Dass es gelten müsse, die Globalisierung anzunehmen und infrastrukturell wie energetisch nachhaltige Stadtkonzepte zu fördern, kommt über den Status eines Allgemeinplatzes kaum noch hinaus. Spannend wird der Band dann, wenn Roth auf eigene Erfahrungen aus der schwarz-grünen Zusammenarbeit in Frankfurt verweist, die in der Summe nicht so schlecht wegkommt – ein Stück retrospektive Rechtfertigung eben. Steckt darin auch ein Fingerzeig für die gegenwärtigen Koalitionsoptionen auf Bundesebene? Vielleicht. Für einen Band zur Stadtpolitik ist das jedoch entschieden zu wenig.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.325 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Petra Roth: Aufstand der Städte. Frankfurt a. M.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33638-aufstand-der-staedte_40286, veröffentlicht am 16.06.2011. Buch-Nr.: 40286 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA