/ 21.06.2013
Variationen über die vielen Frieden
Wolfgang Dietrich
Variationen über die vielen Frieden. Band 1: Deutungen
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2008 (Schriften des UNESCO Chair for Peace Studies der Universität Innsbruck); 436 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 978-3-531-16253-9Der Autor stellt verschiedene Deutungen des Friedensbegriffs in unterschiedlichen historischen und kulturellen Kontexten dar und möchte sich mit dieser Studie gleichermaßen an die Sozial- wie die Geistes- und Kulturwissenschaften richten. Dietrich erarbeitet fünf Kategorien von Friedensvorstellungen: eine energetische, eine moralische, eine moderne, eine postmoderne und eine transrationale. Der Autor betont, dass vor allem Menschen, die in Europa oder Nordamerika sozialisiert sind, Frieden affek...
Wolfgang Dietrich
Variationen über die vielen Frieden. Band 1: Deutungen
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2008 (Schriften des UNESCO Chair for Peace Studies der Universität Innsbruck); 436 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 978-3-531-16253-9Der Autor stellt verschiedene Deutungen des Friedensbegriffs in unterschiedlichen historischen und kulturellen Kontexten dar und möchte sich mit dieser Studie gleichermaßen an die Sozial- wie die Geistes- und Kulturwissenschaften richten. Dietrich erarbeitet fünf Kategorien von Friedensvorstellungen: eine energetische, eine moralische, eine moderne, eine postmoderne und eine transrationale. Der Autor betont, dass vor allem Menschen, die in Europa oder Nordamerika sozialisiert sind, Frieden affektiv als Singular begriffen. Die zentrale Frage ist dabei für Dietrich, in welcher Weise sich Gesellschaften unterscheiden, die Frieden energetisch denken, ihn also in den Worten des Autors „als frische Luft wahrnehmen“ oder „aus dem Erleben des Seins herausspüren“ (12), von solchen, die Frieden als letzte Wahrheit durch ein Gebäude normativer, moralischer Ge- und Verbote konstruieren. Dietrich arbeitet also auch mit Denkmodellen der sogenannten östlichen Weisheit und verwendet entsprechend Begriffe wie mystisch, harmonisch oder ästhetisch, um Friedensvorstellungen zu klassifizieren. Die Eingangsthese lautet, dass diese ersten beiden Großfamilien nicht in Konflikt stehen. Am Ende der historischen Aufgliederung hält der Autor fest: „Die Mündung postmoderner Denkwege in – unter anderem auch – energetische Interpretationen bedeutet nicht die Rückwärtswendung zu prämodernen oder prärationalen Friedensdeutungen, sondern ist Durchbruch zu dem, was ich als transrational bezeichnet habe“ (406). Letztere Kategorie stellt eine Innovation in der Friedensforschung dar und ist eine Grundlage der elizitiven Konflikttransformation, wie sie an der Universität Innsbruck entwickelt wurde. Transrationale Frieden erkennen die Begrenztheit eines materiellen Weltverstehens an und verlassen die „Moderne durch die rationale Anerkennung der energetischen Natur der Spezies Mensch“ (409). Es handelt sich um den ersten Band eines auf drei Bände angelegten Forschungsprojekts über die Interpretation und Vermitteltheit der vielen Frieden in der akademischen Welt.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.44
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Wolfgang Dietrich: Variationen über die vielen Frieden. Wiesbaden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30063-variationen-ueber-die-vielen-frieden_35639, veröffentlicht am 20.01.2009.
Buch-Nr.: 35639
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
CC-BY-NC-SA