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Rezension / 20.08.2023

Thomas Piketty: Eine kurze Geschichte der Gleichheit

München, C. H. Beck 2022

120.000 Euro zum 25. Geburtstag – eine Maßnahme, die laut dem französischen Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty zu mehr Gleichheit führen könnte. In seinem neuesten Buch argumentiert Piketty, dass die Ungleichheit seit dem späten 18. Jahrhundert abgenommen habe, jedoch immer noch ein dringendes Problem darstellt, das durch eine starke Sozialpolitik und progressive Besteuerung bekämpft werden könne. Thomas Mirbach lobt in dieser Rezension die gut lesbare Art, in der Piketty wesentliche Faktoren der Ungleichheitsentwicklung vermittelt.

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Der französische Ökonom Thomas Piketty ist mit umfangreichen Studien zum Zusammenhang von Kapitalismus und Ungleichheit hervorgetreten, die auch jenseits der akademischen Debatten auf große Resonanz gestoßen sind (Kohl 2019). Die auch auf Deutsch vorliegenden Arbeiten „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ (2013) und „Kapital und Ideologie“ (2020), sie umfassen jeweils mehr als 1000 Seiten, beruhen auf einem internationalen Forschungsprogramm, aus dem die World Inequality Database (WID.world) hervorgegangen ist. „Eine kurze Geschichte der Gleichheit“ fasst wesentliche Befunde dieser Studien zusammen, aber darüber hinaus möchte Piketty mit dieser Arbeit einschlägige Fragen aus den Debatten der letzten Jahre kommentierend aufgreifen und einem breiteren Publikum vermitteln, weil „ökonomische Fragen […] zu wichtig [sind], um sie einer kleinen Kaste von Spezialisten und Führungspersonal zu überlassen“ (12). Dieser Intention folgt der Aufbau des Bandes: Die ersten sechs Kapitel befassen sich mit zentralen Faktoren der Entwicklung von Ungleichheit, die letzten vier Kapitel entwerfen Bausteine eines partizipativen Sozialismus für das 21. Jahrhundert.

Im Vorspann erläutert Piketty einige konzeptionelle Entscheidungen, die seine Sicht einer datengestützten Wirtschafts- und Sozialgeschichte prägen. Dazu zähle erstens die Einsicht, dass Ungleichheit eine soziale, historische und politische Konstruktion darstellt, deren konkrete räumliche und zeitliche Ausgestaltung von − jeweils reversiblen − politischen Entscheidungen abhängt. Zweitens belegen die Befunde eine langfristige, seit Ende des 18. Jahrhunderts zu beobachtende Tendenz zu mehr Gleichheit. Sie sei sehr pauschal gesprochen das Ergebnis sozialer Kämpfe – vielfach im Kontext sozioökonomischer Krisen – und institutioneller Änderungen. Um konkrete Entwicklungen erklären zu können, müssten sowohl Kämpfe und Kräfteverhältnisse als auch die jeweiligen Debatten über die programmatische Ausrichtung von Institutionen Berücksichtigung finden. Pikettys Perspektive blickt hier eher auf die institutionelle Dimension – dies vor allem deshalb, weil er mit dieser Studie die Möglichkeit eines partizipativen Sozialismus verteidigen möchte (256).

Erst erhebliche Fortschritte in der Digitalisierung haben länderübergreifende Erhebungen und Analysen von Daten über Einkommens− und Vermögensverteilungen vom 18. Jahrhundert bis in die ersten Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts ermöglicht (15 ff., 29 ff.). Ebenso aus methodischen wie aus politischen Gründen sind Erhebung und Interpretation verfügbarer Daten über Ungleichheit jedoch keineswegs evident. Art und Auswahl der verwendeten Indikatoren müssen Gegenstand öffentlicher Debatten und demokratischer Auseinandersetzung sein. Piketty plädiert für einen mehrdimensionalen Ansatz, der sich nicht auf monetäre Größen beschränkt, sondern sozioökonomische und spezifische Umweltindikatoren verknüpft. Zugleich sollten Befunde und Interpretationen auch einer breiteren Öffentlichkeit vermittelbar sein, deshalb rät er von synthetischen Indikatoren (wie dem Gini-Index zur Messung von Ungleichheit) ab und bevorzugt anschaulichere Kennziffern (wie der Anteil der ärmsten 50 Prozent beziehungsweise der reichsten 10 Prozent am Nationaleinkommen).

Die Generalthese des Buches – seit dem 18. Jahrhundert liege ein langer Weg zu mehr Gleichheit (gemessen unter anderem an steigenden Durchschnittswerten für Einkommen, Lebenserwartung, Alphabetisierung) vor, der allerdings auf jeweils höherem Niveau mit neuen Ungleichheiten verbunden sei – erläutert Piketty zunächst (Kapitel 2) anhand der langfristigen Dekonzentration von Macht und Eigentum. Am Beispiel von Frankreich illustriert, hielt das reichste 1 Prozent der Bevölkerung Anfang des 18. Jahrhunderts 45 Prozents des gesamten Eigentums (Immobilien-, Betriebs-, Finanzvermögen), bis 1910 stieg der Anteil auf 55 Prozent und hat sich dann bis 2020 mit 25 Prozent mehr als halbiert. Für die ärmsten 50 Prozent hat sich in diesem Zeitraum die Quote nur geringfügig von 2 Prozent auf 5 Prozent erhöht. Zwar können diese Zahlen das faktisch mit Vermögen verbundene Macht- und Einflusspotential nicht abbilden, aber der Dekonzentrationsprozess hat auch zu Veränderungen im Eigentumsregime selbst geführt, die aufs Ganze gesehen klassenbedingte Abhängigkeiten einschränkten und Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe erweiterten. Sozialstrukturell gesehen profitierte vom Abbau der Vermögensungleichheit hauptsächlich eine vermögende Mittelschicht (verstanden als die 40 Prozent zwischen den ärmsten 50 Prozent und den reichsten 10 Prozent), deren Vermögensanteil seit den 1980er-Jahren bei etwa 40 Prozent liegt (gegenüber 13 Prozent zu Beginn des 20. Jahrhunderts).

Keine Geschichte der Gleichheit kann ohne Behandlung des Kolonialerbes geschrieben werden, für das Europa und die Vereinigten Staaten verantwortlich sind und dem diese auch ihre beherrschende Position im Weltmaßstab verdanken. Piketty geht in den Kapiteln 3 und 4 auf diese Zusammenhänge ein (61 ff.). Europäische Länder konnten ihr Kolonialregime vor allem aufgrund ihrer (zwischen 1500 und 1800) ausgebauten Steuerkraft und Militärkapazität etablieren. Zumal ihr Aufstieg im 18. und 19. Jahrhundert– hauptsächlich praktiziert von Handelsgesellschaften – auf der „hemmungslosen Anwendung von Gewalt im globalen Maßstab“ (73) beruhte. Eine Schlüsselrolle im Ausbau des Baumwollimperiums spielte die Sklavenausbeutung mit zuletzt rund 6 Millionen Sklav*innen (1860) auf den euro-amerikanischen Plantagen. Ein differenzierter Blick in die verfügbaren Daten belegt – auch im Nachgang der formalen Abschaffung von Sklaverei und kolonialen Abhängigkeiten – ein Kontinuum von Ausbeutung. Noch Mitte des 20. Jahrhunderts bestanden in früheren Kolonialgesellschaften Formen verdeckter Zwangsarbeit und strukturelle Diskriminierungen innerhalb der Rechts-, Steuer- und Bildungssysteme (97 ff.) fort. Da die heutige Wohlstandsverteilung zutiefst vom Erbe der Sklaverei und des Kolonialismus geprägt ist, stellt sich die Frage der Verantwortung sowohl auf Ebene der früheren Kolonialmächte (in Gestalt von Reparationszahlungen) als auch auf globaler Ebene als systematische Antidiskriminierungspolitik, die sich an universalistischen Kriterien orientiert.

Eine Geschichte der Gleichheit lebt auch von symbolischen Ereignissen, in denen sich – wie bei der Abschaffung des Adelsprivilegs im Zuge der französischen Revolution – progressive Programmatiken visionär verdichten. Gegen diese proklamierte Rechtsgleichheit hebt Piketty die Kontinuität einer plutokratischen Logik hervor: Seit Ende des 18. Jahrhunderts handele es sich dabei in erster Linie um „eine Gleichheit unter weißen Männern, vor allem aber besitzenden weißen Männern“ (111). Statt ständischer Privilegien, deren Abschaffung prinzipiell einen wirklichen Fortschritt darstellt, setzen sich mehr und mehr die mit Eigentum verbundenen Privilegien durch. Piketty zeichnet hier knapp am Beispiel verschiedener Spielarten von Zensuswahlsystemen – prägnant am Fall Schwedens (118 ff.) – die soziale Selektivität im Medium des Rechts nach. Auch heute – nach Durchsetzung der Gleichheit im Wahlrecht – gelinge es den besitzenden Klassen, weiterhin eine verdeckte Form der Zensuslogik zu praktizieren. Es handele sich dabei um ein institutionelles Dispositiv, das über inegalitäre Modalitäten der Parteien-, Wahlkampf- und Medienfinanzierung die Interessen der Wirtschaftsplutokratie bediene. Im Bereich des Arbeitsrechts stellen Mitbestimmungsregelungen – wie in Deutschland und skandinavischen Ländern – hierzu alternative Regulierungsansätze dar.

Zwischen 1914 und 1980 wurden in der gesamten westlichen Welt die Eigentums- und Vermögensungleichheiten stark abgebaut; mit dieser großen Umverteilung befasst sich Kapitel 6 (136 ff.). Piketty hebt hier zwei Faktoren hervor, die auch für seinen Entwurf eines partizipativen Sozialismus relevant sind. Der erste Faktor bezieht sich – getragen von der wachsenden Kraft des Steuerstaates – auf den Ausbau des Sozialstaates. Während vor 1914 das gesamte Steueraufkommen (in der Größenordnung von knapp 10 Prozent des Nationaleinkommens) für hoheitliche Aufgaben verwendet worden war, stiegen die Steuereinnahmen in Europa bis in die 1980er-Jahre auf 40 bis 50 Prozent des Nationaleinkommens und werden zu rund zwei Dritteln für Sozial- und Bildungsaufgaben verwendet. Den zweiten Faktor – eingebettet in den institutionellen Kontext von allgemeinem Wahlrecht, parlamentarischer und repräsentativer Demokratie, Pressefreiheit und Ausbau der Gewerkschaftsbewegung – bildet die Einführung einer stark progressiven Einkommens- und Erbschaftssteuer. Sehr pauschal gerechnet, bewegten sich die effektiven Steuersätze für die reichsten 10 Prozent in den Vereinigten Staaten – und ähnlich auch in Europa – bis in die 1980er-Jahre zwischen 60 und 70 Prozent. Piketty sieht in der progressiven Besteuerung einen Beleg für zweierlei: Der Staat könne sich der Alleinkontrolle der herrschenden Klassen entziehen und der „verallgemeinerten Herrschaft des Marktes den Rücken“ kehren (142 f.).

Diese Politik der Umverteilung ist Geschichte. Seit den 1990er-Jahren ist die reale Progression verschwunden; in den Vereinigten Staaten sanken die Spitzensteuersätze am deutlichsten (von 72 Prozent auf 35 Prozent). Einen wesentlichen Treiber dieses Rückbaus stellen die fortschreitende Finanzialisierung der Wirtschaft und die Deregulierung der Finanzströme dar (186 ff.). Der auch vom Europäischen Gerichtshof normativ abgesicherte Grundsatz des freien Kapitalverkehrs stärkt ein System internationaler Regeln und Verträge, das Hauptprofiteure der globalen Integration der Märkte vor Eingriffen schützt.

Angesichts dieser Konstellation liegen die Mittel, wieder mehr Gleichheit zu erreichen, eigentlich – so Piketty – auf der Hand: „Ohne hohen Einkommen und Vermögen durch eine wirkliche Erneuerung der Steuerprogression einen nachprüfbaren Beitrag abzuverlangen, ist eine neue Etappe beim Aufbau des Sozialstaats und im historischen Prozess der Dekommodifizierung nicht denkbar“ (173). Die wichtigsten der hierzu einzusetzenden Instrumente, um die Marktlogik weiter einzuschränken, sind bekannt – um sie geht es in den Kapiteln 7 und 8. Über Vermögens- und Einkommenssteuer hinaus bietet sich ein System der Erbschaftsverteilung an, das jedem im Alter von 25 Jahren ein Minimalerbe überlässt (beispielsweise in Höhe von 60 Prozent des Durchschnittsvermögens). Ergänzt durch die Einführung eines Grundeinkommens und einer Beschäftigungsgarantie als Angebot einer Vollzeitbeschäftigung auf Basis eines Mindestlohns wären das Schritte zu einer allmählichen „’Entmarktung’ der Wirtschaft“ (180). Dazu könnte auch das in den 1980er-Jahren vom schwedischen Gewerkschaftsbund vorgeschlagene Modell eines Lohnfonds beitragen, der über Gewinnabführung von Großunternehmen die Reichweite der Mitbestimmung ausbaut.

Alle Ansätze der schrittweisen Einführung eines demokratischen selbstverwalteten und dezentralisierten Sozialismus müssen dabei in den Prozess einer „vertieften Demokratie“ eingebettet sein (183). Zwei Herausforderungen hebt Piketty besonders hervor. Innerhalb der jeweiligen Gesellschaften müssen Verfahren zur Bekämpfung sozialer, geschlechtsspezifischer und ethnischer Diskriminierungen konsequent etabliert werden (191 ff.). Erforderlich sind belastbare Indikatoren, die die vielfältigen Formen negativer Diskriminierung abbilden können, und sich daran anschließende politische Korrekturen in Fragen der Zuteilung von finanziellen Ressourcen. Dazu können positive Diskriminierungen gehören, müssen es aber nicht: Praktisch gehe es in erster Linie darum, negative Diskriminierungen zu vermeiden (200). Angesichts der vielfältigen Überschneidungen einschlägiger Kriterien und der Spannungen zwischen unterschiedlichen normativen Erwartungen ist eine entschiedene Bekämpfung von Diskriminierungen gleichermaßen auf differenzierte und transparente Abwägungen im jeweiligen nationalen Kontext angewiesen – eine einfache Lösung für diese Problematik, so Piketty, gebe es nicht.

Die zweite Herausforderung betrifft eine Veränderung des globalen Wirtschaftssystems, das mit seinem Dogma des unkontrollierten Kapitalverkehrs politisch wie ökologisch unhaltbar geworden sei (220 ff.). Die seit den 1980er- und 1990er-Jahren von den reichen Ländern des Nordens im Rahmen des sogenannten Washington-Konsenses betriebene Politik – mit den Postulaten Staatsabbau, Austerität, Handelsliberalisierung, Deregulierung – habe primär zur Erschließung von Märkten für die eigenen Unternehmen gedient und zu einer nachhaltigen Schwächung der Länder des Südens geführt. Perspektivisch müsse das bestehende Regelwerk, das auf die Interessen der wohlhabenden Nationalstaaten ausgerichtet ist, von einem globalen „Föderal-Sozialstaat“ abgelöst werden (236), der einerseits den armen Ländern einen Teil der Steuern multinationaler Konzerne sichert und andererseits Kapitalverkehr und Welthandel an verbindliche soziale und ökologische Standards bindet.

Fazit
Pikettys „kurze Geschichte der Gleichheit“ erfüllt in gut lesbarer Weise das Vorhaben, einem breiteren Publikum wesentliche Faktoren zu vermitteln, die die Entwicklung von Ungleichheit seit Ende des 18. Jahrhunderts auf nationaler wie auf globaler Ebene bestimmt haben. Über die analytischen Befunde hinaus – die durchgängig mit sehr informativen Grafiken hinterlegt sind – gehören die abgewogenen Argumente für eine Systemtransformation des Kapitalismus, die wohltuend undogmatisch auf grundsätzlich vorhandene institutionelle Alternativen hinweisen, zu den Stärken des Buches. Es wäre sehr zu wünschen, dass dieser Entwurf eines demokratischen, selbstverwalteten und dezentralisierten Sozialismus – in Gestalt eines „historischen Experimentalismus“ (Honneth 2015, 85 ff.) – zur Stärkung der „egalitären Koalition [beiträgt], der es [bisher] an einem alternativen Narrativ und einer ausreichend starken Mobilisierung der Bevölkerung für Sozialstaat und Steuerprogression fehlte“ (171).


Literatur

  • Honneth, Axel (2015): Die Idee des Sozialismus. Frankfurt, Suhrkamp.
  • Kohl, Sebastian (2019): Herrschaftslehren des Kapitals: Rezension zu "Capital et Idéologie" von Thomas Piketty. Soziopolis: Gesellschaft beobachten. (https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-81525-8; Abruf 08.03.2023).
  • Thomas Piketty (2022): Eine kurze Geschichte der Gleichheit. München, C.H. Beck.

 

CC-BY-NC-SA
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Weiterführende Links

World Inequality Database (WID.world)

Datenbank zur historischen Entwicklung der globalen Einkommens- und Vermögensverteilung.

 

Externe Veröffentlichungen

Thomas Piketty, Linus Westheuser / 03.05.2023

Jacobin

Jens Balzer / 25.08.2022

Deutschlandfunk Kultur

Thomas Piketty / 25.08.2022

C.H. Beck

Martin Hubert / 29.08.2022

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Gabriel Zucman / 13.05.2019

Annual Reviews

Gabriel Zucman / 2015

University of Chicago Press