/ 18.06.2013
Flamen und Wallonen: Fremde Nachbarn im Hause Belgien?
Claus Hecking
Flamen und Wallonen: Fremde Nachbarn im Hause Belgien? Die gegenseitige Perzeption im Spiegel der Tagespresse
Berlin: dissertation.de 2002; 431 S.; 63,- €; ISBN 3-89825-493-3Politikwiss. Diss. Münster; Gutachter: W. Woyke. - Der Autor analysiert die Darstellung der Spaltung der Belgier hauptsächlich in Wallonen und Flamen in den großen belgischen Tageszeitungen. Den Hintergrund bildet die Zuschreibung einer wichtigen Rolle der Medien für das Nation-building (Anderson) sowie deren zentrale Stellung im Kommunikationszusammenhang einer Nation (Deutsch). Auf das erste Kapitel zu den Grundlagen (z. B. Stereotypen) folgt ein eigenständiger Teil, in dem nach einem geschich...
Claus Hecking
Flamen und Wallonen: Fremde Nachbarn im Hause Belgien? Die gegenseitige Perzeption im Spiegel der Tagespresse
Berlin: dissertation.de 2002; 431 S.; 63,- €; ISBN 3-89825-493-3Politikwiss. Diss. Münster; Gutachter: W. Woyke. - Der Autor analysiert die Darstellung der Spaltung der Belgier hauptsächlich in Wallonen und Flamen in den großen belgischen Tageszeitungen. Den Hintergrund bildet die Zuschreibung einer wichtigen Rolle der Medien für das Nation-building (Anderson) sowie deren zentrale Stellung im Kommunikationszusammenhang einer Nation (Deutsch). Auf das erste Kapitel zu den Grundlagen (z. B. Stereotypen) folgt ein eigenständiger Teil, in dem nach einem geschichtlichen Rückblick der heutige Staatsaufbau und der Regionalismus ausführlich beschrieben werden. Der zweite Teil beschreibt den Zeitungsmarkt allgemein sowie die untersuchten Zeitungen und kommt schließlich zu folgendem Ergebnis: (1) Die Berichterstattung der Tageszeitungen einer Region über die andere Region ist in friedlichen Zeiten (teilweise erschreckend) gering. (2) In Zeiten von Streitigkeiten der Gruppen erhöht sich die Berichterstattung, ist aber tendenziell negativ. (3) Ein Unterschied hinsichtlich (1) und (2) zwischen flämischen und frankophilen Tageszeitungen fällt nicht stark ins Gewicht. Die Untersuchung fällt klar und zielführend aus. Kritik muss allerdings an den grundsätzlichen Überlegungen geübt werden. Wenn der Autor von der Theorie spricht, „welche den Massenmedien zuspricht, moderne Nationalstaaten zusammenzuhalten" (14), und anschließend die „Leitfrage" stellt, „ob die flämischen und frankophonen Tageszeitungen eine nationzusammenhaltende Funktion erfüllen" (15), so wird der Zweifel, ob es sich überhaupt um einen Nationalstaat handelt, wohl nicht ernst genug genommen: eine (oder das Konstrukt einer) Kulturnation liegt offenbar nicht vor, und eine Staatsnation ist scheinbar nicht entstanden. Das Ergebnis könnte grundsätzlich wie folgt einleuchten: die Tageszeitungen pflegen die jeweilige Kulturnation, und der gemeinsame Staat ist entsprechend nur durch einen umfangreichen Regionalismus zu erhalten.
Guido Koch (GK)
Dr., Politikwissenschaftler, Qualitätsmanagment, GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften.
Rubrizierung: 2.61 | 2.24 | 2.22 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Guido Koch, Rezension zu: Claus Hecking: Flamen und Wallonen: Fremde Nachbarn im Hause Belgien? Berlin: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18341-flamen-und-wallonen-fremde-nachbarn-im-hause-belgien_21234, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 21234
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Dr., Politikwissenschaftler, Qualitätsmanagment, GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften.
CC-BY-NC-SA