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/ 03.06.2013
Clarissa Rudolph

Einflußpotentiale und Machtbarrieren. Frauenpolitik in der Verfassungsdiskussion

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 1996 (Nomos Universitätsschriften: Politik 67); 316 S.; brosch., 89,- DM; ISBN 3-7890-4252-8
Politikwiss. Diss. Universität Hamburg; Erstgutachterin: C. Landfried. - Ausgangspunkt bildet die mittlerweile unumstrittene Diskrepanz zwischen dem verfassungsrechtlich verankerten Gleichheitsgrundsatz und der tatsächlichen politischen und sozio-ökonomischen Ungleichheit zwischen Männern und Frauen in der Bundesrepublik Deutschland. In ihrer Analyse der Verfassungsdiskussion nach der deutsch-deutschen Vereinigung untersucht Rudolph, ob die sich hier bietende Chance zu einer grundlegenden Neubestimmung des Geschlechterverhältnisses in Art. 3 Abs. 2 GG sowie Art. 6 GG und damit zu einer grundsätzlichen Neukonzeption der Frauenpolitik genutzt wurde. Im ersten Teil werden die Rahmenbedingungen der Verfassungsdiskussion abgesteckt, indem die inhaltliche und institutionelle Entwicklung der Frauenpolitik in den Verfassungen der DDR und der Bundesrepublik geschildert sowie das jeweils herrschende Gleichberechtigungsverständnis seitens der jeweiligen Frauenbewegungen bewertet wird. Im zweiten Teil beschäftigt sich Rudolph mit dem konkreten Aushandlungsprozeß. Hier wurden die Hoffnungen auf eine Reformulierung einer gemeinsamen Verfassung bereits sowohl durch die Entscheidung für einen Beitritt der ehemaligen DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes sowie die Gründung der Gemeinsamen Verfassungskommission, die allein und zudem vornehmlich westdeutsche PolitikerInnen einbezog, vereitelt. Nichtsdestoweniger zeigte das Engagement vieler Frauen und Frauengruppen zusammen mit Frauenpolitikerinnen der Parteien einen (bescheidenen) Erfolg. Im Gegensatz zu anderen diskutierten Themenbereichen konnte immerhin eine Veränderung von Art. 3 Abs. 2 GG erwirkt werden. Die Tatsache, daß sich die Forderungen nach einer Veränderung von Art. 6 GG nicht durchsetzen konnten, ist hingegen ein Beleg für die Begrenztheit frauenpolitischer Handlungsoptionen. Sollen im Rahmen von Frauenpolitik tatsächlich grundlegende Veränderungen bewirkt werden, setzt dies nach Rudolph auch eine Neuregelung des privaten Bereiches und damit auch eine veränderte Rolle der Männer voraus. Ein wichtiges Ergebnis der Arbeit ist gleichwohl, daß die "kleinen frauenpolitischen (Fort)Schritte durchsetzungsfähiger sind, je enger das frauenpolitische Netzwerk untereinander kooperiert" (267). So zieht Rudolph die Schlußfolgerung, daß "das Agieren im frauenpolitischen Netz zumindest solange das 'erfolgs'versprechendste Handeln [ist], solange konkrete Alternativen nicht sichtbar sind" (267).
Julia Schmidt-Häuer (JSH)
Dr., Referentin im wissenschaftlichen Dienst der SPD-Bürgerschaftsfraktion in Bremen.
Rubrizierung: 2.362.3242.313 Empfohlene Zitierweise: Julia Schmidt-Häuer, Rezension zu: Clarissa Rudolph: Einflußpotentiale und Machtbarrieren. Baden-Baden: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/1725-einflusspotentiale-und-machtbarrieren_1976, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 1976 Rezension drucken
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