/ 21.06.2013
Der zögernde Abschied vom Patriarchat
Detlev Lück
Der zögernde Abschied vom Patriarchat. Der Wandel von Geschlechterrollen im internationalen Vergleich
Berlin: edition sigma 2009; 360 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-89404-567-8Diss. Mainz. – Seitdem der gesellschaftliche Wandel der 60er-Jahre die post-industriellen Gesellschaften erfasst hat, erfährt Gender, das sozial zugeschriebene Geschlecht, große Veränderungen, aber auch Kontinuität. Dieser ambivalente Befund veranlasst Lück, anhand einer Sekundäranalyse des International Social Survey Programs die Entwicklungstrends international vergleichend und im Zeitverlauf zu analysieren. Als Indikatoren für den Wandel von Geschlechterrollen dienen die Erwerbsbeteilig...
Detlev Lück
Der zögernde Abschied vom Patriarchat. Der Wandel von Geschlechterrollen im internationalen Vergleich
Berlin: edition sigma 2009; 360 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-89404-567-8Diss. Mainz. – Seitdem der gesellschaftliche Wandel der 60er-Jahre die post-industriellen Gesellschaften erfasst hat, erfährt Gender, das sozial zugeschriebene Geschlecht, große Veränderungen, aber auch Kontinuität. Dieser ambivalente Befund veranlasst Lück, anhand einer Sekundäranalyse des International Social Survey Programs die Entwicklungstrends international vergleichend und im Zeitverlauf zu analysieren. Als Indikatoren für den Wandel von Geschlechterrollen dienen die Erwerbsbeteiligung von Frauen, die Aufteilung der Hausarbeit in Partnerschaften sowie Vorstellungen über die „richtige“ Aufgabenteilung. Lück versucht, die Ursachen von Wandel und Kontinuität anhand eines integrierten Theoriemodells zu erarbeiten, das ökonomische, konstruktivistische und wertorientierte Handlungslogiken kombiniert. Die Analyse zeigt, dass sich bei allen drei Indikatoren ähnliche Länderunterschiede feststellen lassen. In den Gesellschaften Südeuropas und West-Deutschlands überwiegt noch die klassische genderspezifische Aufgabenteilung und ihre Befürwortung. In Skandinavien und den anglo-amerikanischen Staaten zeigt sich ein deutlich fortschrittlicheres Bild. Ein Sonderfall bleiben die Staaten Osteuropas, in denen eine hohe Erwerbsbetätigung von Frauen vorliegt, aber ebenso ihre klare Zuständigkeit für den Haushalt. Als Ursachen für die Unterschiede nennt Lück sowohl kulturelle, religiöse und weltliche Denkgebäude als auch konkrete strukturelle Rahmenbedingungen. Betrachtet man die Änderungen im Zeitverlauf, so fällt der Wandel in den rückständigen Gesellschaften deutlich höher aus als in den fortschrittlichen. Lück interpretiert dies als ein Aufholen Süd- und Mitteleuropas und als eine Stagnation der anderen Gesellschaften, wenn auch auf hohem Niveau. Dies und der Befund, dass die Hausarbeit nahezu überall fast ausschließlich von der Frau geleistet wird, zeigt laut Lück, dass vollständige Egalität wohl nicht erreicht werden kann. Ursache hierfür sind verschiedene Handlungslogiken: Werteinstellungen würden eher von kulturellen, die Gestaltung der Hausarbeit dagegen eher von pragmatischen und symbolischen Faktoren bestimmt.
Christian Haas (CHA)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.27 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Christian Haas, Rezension zu: Detlev Lück: Der zögernde Abschied vom Patriarchat. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31734-der-zoegernde-abschied-vom-patriarchat_37818, veröffentlicht am 23.03.2010.
Buch-Nr.: 37818
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M. A., Politikwissenschaftler.
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