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/ 18.06.2013
Rainer Behring / Mike Schmeitzner (Hrsg.)

Diktaturdurchsetzung in Sachsen. Studien zur Genese der kommunistischen Herrschaft 1945-1952

Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag 2003 (Schriften des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung 22); 473 S.; geb., 44,90 €; ISBN 3-412-14802-4
Die Aufsätze fußen auf Forschungsarbeiten, die im Rahmen eines Projektes der VolkswagenStiftung zum Thema „Diktaturen im Europa des 20. Jahrhunderts" entstanden. Die Autoren sind überwiegend Nachwuchswissenschaftler, die an sächsischen Universitäten seit Jahren zur sächsischen Nachkriegsgeschichte forsch(t)en. Sachsen dient als Beispiel für die Erklärungskraft des vom ehemaligen Direktor des genannten Instituts, Henke, eingeführten Begriffs der Diktaturdurchsetzung. Wegen seines demografischen und wirtschaftlichen Potenzials und der zahlreichen Hochburgen der deutschen Arbeiterbewegung erscheint Sachsen für diese Forschung besonders geeignet. So schlagen die Herausgeber als Leitmotiv künftiger Forschung vor, der Frage nachzugehen, „inwieweit in Sachsen tatsächlich besonders günstige Bedingungen und Voraussetzungen für die Errichtung einer auf diktatorischen Zwang beruhenden [erst nationalsozialistischen, dann] sich sozialistisch gebärdenden Gesellschaftsordnung existierten" (9). Die Texte des Bandes kennzeichne eine „politikgeschichtliche Herangehensweise, weil sie zuvörderst einer Analyse der Herrschaft von Menschen über Menschen als institutionalisiertem Staatszweck angemessen ist" (17). Inhalt: I. Die Sowjetische Besatzungsmacht: Gerhard Wettig: Stalins Politik gegenüber dem besetzten Deutschland (27-50); Johannes Raschka: Kaderlenkung durch die Sowjetische Militäradministration in Sachsen (51-78); Jörg Morré: Das Speziallager Bautzen als Instrument sowjetischer Herrschaftssicherung (79-100). II. Politische Parteien und Organisationen: Stefan Donth: Die KPD als Partei der Diktaturdurchsetzung in Sachsen. Erste Weichenstellungen bis zur Zwangsvereinigung mit der SPD (103-128); Ralf Thomas Baus: Die Christlich-Demokratische Union Deutschlands in Sachsen zwischen Widerstand und Gleichschaltung 1945-1952 (129-146); Thomas Schaarschmidt: Formale Gleichschaltung und soziale Eigendynamik. Der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands (147-168). III. Die Verwaltung als Instrument kommunistischer Herrschaft: Andreas Thüsing: Der staatliche Neuanfang in Sachsen 1945-1952 (171-199); Mike Schmeitzner: Formierung eines neuen Polizeistaates. Aufbau und Entwicklung der politischen Polizei in Sachsen 1945-1952 (201-267); Thomas Widera: „... eine gute saubere anständige Gesinnung". Entnazifizierung als Instrument der Diktaturdurchsetzung in Dresden 1945 (269-296); Michael Parak: Zwischen politischer Säuberung und akademischer Fluktuation. Elitenaustausch an sächsischen Hochschulen 1945-1952 (297-324). IV. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Umgestaltung: Winfried Halder: Fritz Selbmann und der Beginn der Wirtschaftsplanung in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (SBZ) 1945-1949 (327-347); Wolfgang Tischner: Wohlfahrtspflege zwischen Diktaturen: Caritas, Innere Mission und Volkssolidarität in SBZ und früher DDR (349-369); Rainer Behring: Massenaufmärsche, Arbeitseinsatz, Hausvertrauensleute. Die Mobilisierung der Bevölkerung am Beispiel Chemnitz (371-409). V. Zur Interdependenz von innergesellschaftlichen Umbrüchen und internationaler Politik: Klaus-Dietmar Henke: Die Trennung vom Westen. Der Zusammenbruch der Anti-Hitler-Allianz und die Weichenstellung für die kommunistische Diktaturdurchsetzung in Ostdeutschland (413-458).
Henry Krause (HK)
Dipl.-Politologe, Referatsleiter, Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Dresden.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Henry Krause, Rezension zu: Rainer Behring / Mike Schmeitzner (Hrsg.): Diktaturdurchsetzung in Sachsen. Köln/Weimar/Wien: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18807-diktaturdurchsetzung-in-sachsen_21819, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 21819 Rezension drucken
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