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/ 19.06.2013
Josef Joffe

Die Hypermacht. Warum die USA die Welt beherrschen

München/Wien: Carl Hanser Verlag 2006; 264 S.; geb., 21,50 €; ISBN 978-3-446-20744-8
Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1991 dominieren die Vereinigten Staaten als einzige verbliebene „Hypermacht“ die internationale Politik, ohne dass ihr eine andere Nation ernsthaft Konkurrenz machen könnte – so die Ausgangsthese des Autors. Er versucht vor diesem Hintergrund, die Macht der USA und ihre Ressourcen im Verhältnis zum Rest der Welt möglichst genau zu bestimmen, die Reaktionen auf die beispiellose militärische, wirtschaftliche und kulturelle Machtentfaltung dieses Akteurs im globalen Maßstab zu analysieren und schließlich Handlungsanweisungen für die amerikanische Politik zu formulieren, die darauf abzielen, den aus dem Machtgefälle entstandenen Widerstand anderer Akteure der internationalen Politik einzuhegen. Bei aller Kritik an den imperialen Versuchungen Washingtons und den erkennbaren Fehlern der aktuellen Regierung bleiben für den Autor jedoch letztlich allein die Vereinigten Staaten in der Lage, ein Mindestmaß an Stabilität und Ordnung in den internationalen Beziehungen zu schaffen. Gleich, ob man diese Perspektive mag oder nicht, letztlich bleibe keine Alternative, denn kein anderer Staat oder Staatenzusammenschluss habe das Potenzial, diese Funktion in der internationalen Politik auch nur annähernd zu erfüllen. Um diesen Mehrwert an „öffentlichen Gütern“ jedoch auch in den nächsten Jahrzehnten tatsächlich erzeugen zu können, müssten die Amerikaner aber von der Illusion einer unipolaren Übermacht Abstand nehmen und ihre weltweit weitgehend verspielte Legitimität zurückgewinnen. Sie brauchten zwar nicht die Zustimmung der Welt, um zu handeln, aber ihre Unterstützung, um effektiv zu sein. Daher rät Joffe den amerikanischen Eliten, zu der Politik des wohlwollenden Hegemons in der Zeit des Kalten Krieges zurückzukehren, d.h. zu einem aufgeklärten Selbstinteresse, das die Interessen der anderen Staaten und der Welt insgesamt berücksichtigt.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 4.224.22.64 Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Josef Joffe: Die Hypermacht. München/Wien: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21501-die-hypermacht_29829, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 29829 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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