/ 17.06.2013
Daniel Rölle / Petra Müller / Ulrich W. Steinbach
Politik und Fernsehen. Inhaltsanalytische Untersuchungen. Mit einem Geleitwort von Frank Brettschneider
Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag 2001 (DUV: Sozialwissenschaft); XXII, 302 S.; brosch., 45,50 €; ISBN 3-8244-4428-3Das Buch besteht aus drei politikwissenschaftlichen Magisterarbeiten, die 2000 am Institut der Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart eingereicht wurden (Betreuer: O. W. Gabriel). Ihre Zusammenstellung ist plausibel, weil diese Arbeiten einerseits Teilaspekte eines Themas - Rückwirkungen des ausdifferenzierten deutschen Mediensystems auf (Partei-)Politik - behandeln und andererseits einen ähnlichen empirischen (inhaltsanalytischen) Zuschnitt aufweisen. Rölle untersucht für den Zeitraum 1949-1987 das Verhältnis von Wahlprogrammaussagen und parlamentarischem Handeln im Politikfeld "Wohlfahrtsstaat" (7 ff.) und kommt zum Ergebnis, dass sich weder die vielfach vermutete programmatische Unterschiedslosigkeit der Parteien noch der Vorwurf, im Bundestag verlören Parteien ihr Handlungsprofil, bestätigen lasse (87). Müller setzt sich - in einer vergleichenden Analyse der Magazinbeiträge von ARD, ZDF und RTL der Wahlkampfphasen 1987 und 1998 - mit der gängigen Kritik auseinander, die einschlägige Berichterstattung unterliege einer zunehmenden "Amerikanisierung" (92 ff.). Aufgrund ihrer Befunde will sie "allenfalls von einer Professionalisierung und Entideologisierung, nicht aber von einer Amerikanisierung" sprechen (158). Steinbach behandelt die ebenfalls medienkritische These, derzufolge die duale Rundfunkordnung zu einer entpolitisierenden Konvergenz der Fernsehprogrammangebote geführt habe (162 ff.). Zwar sei seit 1990 bei privaten wie bei öffentlich-rechtlichen Anbietern - so das Resümee - der Anteil von Informations- und Kultursendungen zurückgegangen, aber nach wie vor könnten sich letztere als "Marktführer bei den Informationsangeboten" behaupten (252).
Aus dem Inhalt: I. Parteiprogramme und parlamentarisches Handeln: 2. Parteiensystem und Parteiprogramme. II. Amerikanisierung der Berichterstattung zum Bundestagswahlkampf? 3. Amerikanisches Wahl- und Mediensystem - deutsches Wahl- und Mediensystem. III. Entpolitisierung durch Dualisierung? 2. Massenmedien als Bestandteil der politikwissenschaftlichen Forschung; 3. Die Geschichte von Hörfunk und Fernsehen in der Bundesrepublik Deutschland; 4. Grundlagen und Ausgestaltung der dualen Rundfunkordnung; 5. Die Hypothese der Konvergenz von öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehprogrammen.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.333 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Daniel Rölle / Petra Müller / Ulrich W. Steinbach: Politik und Fernsehen. Wiesbaden: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15196-politik-und-fernsehen_17272, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 17272
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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