/ 19.06.2013
Helmut Schneider
Marken in der Politik. Erscheinungsformen, Relevanz, identitätsorientierte Führung und demokratietheoretische Reflexion
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2004; XX, 314 S.; brosch., 29,90 €; ISBN 3-531-14168-6Wirtschaftswiss. Habilitationsschrift Münster; Gutachter: H. Meffert, N. Konegen, K. Backhaus, K.-H. Hartwig, U. W. Thonemann. - Die im Bundestag vertretenen Parteien und ihre Spitzenrepräsentanten besitzen „in einem wirkungsorientierten Verständnis Markencharakter" (234), sie sind also mit bestimmten Merkmalen im Gedächtnis der Wähler verankert. So lautet die These Schneiders, der in einer Zusammenführung von betriebswirtschaftlichen und politikwissenschaftlichen Erklärungsansätzen fragt, ob dieser Markencharakter Einfluss auf das Wahlverhalten des Einzelnen hat. In einem ersten Schritt wertet der Autor Umfragen aus, um überhaupt den angenommenen Markencharakter zu definieren und zu belegen. Als ein Ergebnis zeigt sich dabei, „dass Marken die politische Präferenzbildung verändern" (13). Befürworte beispielsweise die SPD die Abschaffung der Wehrpflicht, würden dieser Auffassung mehr SPD-Anhänger zustimmen als im Fall einer parteiübergreifenden Initiative. Vor diesem Hintergrund sei zu fragen, „welcher Ansatz politischer Parteien bzw. politischer Kandidaten zur Führung von Politmarken geeignet erscheint und wie dieser auszugestalten sei" (13). Daran seien Überlegungen anzuschließen, ob und inwieweit sich durch gezieltes Politmarketing die innerparteiliche Willensbildung verändere und ob Wahlkämpfe möglicherweise entpolitisiert würden - Politikermarken wiesen aus Wählersicht grundsätzlich eine höhere Attraktivität als Parteimarken auf. Auf der Grundlage empirischer Ergebnisse beschreibt Schneider „einen erheblichen Einfluss von Politikmarken auf das Wahlverhalten", allerdings nur in einem „engen Zusammenhang mit anderen Variablen der empirischen Wahlforschung" (235). Der demokratische Prozess setzt also der öffentlichkeitswirksamen und gezielten Vermarktung von Politikern und Parteien Grenzen - oder etwas salopp formuliert: Politik ist kein Waschmittel.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.333 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Helmut Schneider: Marken in der Politik. Wiesbaden: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20975-marken-in-der-politik_24464, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 24464
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