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/ 21.06.2013
Saskia Sassen

Das Paradox des Nationalen. Territorium, Autorität und Rechte im globalen Zeitalter. Aus dem Amerikanischen von Nikolaus Gramm

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2008; 735 S.; geb., 36,80 €; ISBN 978-3-518-41937-3
Ein großartiges Buch, welches mit großer Wahrscheinlichkeit in einigen Jahren rückblickend als wichtigstes Werk der Autorin – gewissermaßen als Kondensation ihrer großen Schaffensbreite – angesehen werden könnte. Der Haupttitel der deutschen Übersetzung verkörpert das zentrale Anliegen des Buches dabei noch wesentlich besser als das englischsprachige Original („Territority – Authority – Rights. From Medieval to Global Assemblages”). Denn das, was wir im Allgemeinen „Globalisierung“ nennen, so das zentrale Argument der Autorin, ist in den Institutionen eben jenes modernen Nationalstaates angelegt, den es zugleich zu untergraben scheint. Sassen lehnt die verbreitete Annahme des Verhältnisses von Staat und globaler Ökonomie als Nullsummen-Kräftespiel ab und reiht sich damit eher in eine Tradition ein, welche die politische Konstituierung des Phänomens Globalisierung in den Mittelpunkt rückt. Die Autorin geht aber noch weiter. Für sie ist Globalisierung nicht lediglich ein politisches Projekt (und in diesem Sinne national konstituiert), sondern das Nationale stellt für sie eine spezifische institutionelle Konfiguration dar, die das Globale überhaupt erst ermöglicht, wenn nicht gar zwingend nach sich ziehen muss. Der Prozess der Globalisierung wird dabei verkörpert durch eine Vielzahl von Neuorganisationen zeitlicher und räumlicher Sachverhalte, wobei der Großteil dieser Transformationen – dies eine wichtige Aussage des Buches – nicht ohne Weiteres erkennbar ist. Um trotzdem zu tendenziellen Erklärungen gelangen zu können, untersucht Sassen zunächst ausführlich die letzte große Transformation: die vom feudal geprägten Mittelalter zum kapitalistischen Nationalstaat. Hieraus versucht sie, Erkenntnisse für den gegenwärtigen Transformationsprozess abzuleiten. Dabei kommen Einsichten einer Vielzahl von akademischen Disziplinen zum Tragen; nicht zuletzt diese ungewohnte Bandbreite führt dazu, dass die Publikation zu einem der bedeutenderen Werke in der Debatte um Globalisierung und Nationalstaat zu werden verspricht.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.2 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Saskia Sassen: Das Paradox des Nationalen. Frankfurt a. M.: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29602-das-paradox-des-nationalen_35045, veröffentlicht am 07.11.2008. Buch-Nr.: 35045 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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