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/ 21.06.2013
Karl Ulrich Mayer / Eva Schulze

Die Wendegeneration. Lebensverläufe des Jahrgangs 1971

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2009; 281 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-593-39036-9
Die Autoren untersuchen die Lebenswege von 1971 in West- und Ostdeutschland Geborenen bis zum Jahr 2005. Die jeweilige Kindheit und Jugend bis etwa zum Ende der Berufsausbildung wurde somit in sehr unterschiedlichen Gesellschaftssystemen verbracht. Die Autoren nennen diese Altersgruppe die „Wendegeneration“ (11). Im Zentrum steht die Verschiedenartigkeit der Lebensverläufe vor und die Konsequenzen für diese nach der Wende. Dafür führten die Autoren über standardisierte Fragebögen drei Befragungen in den Jahren 1996 bis 1998 und 2005 durch. Für die Phase der Kindheit und Jugend stellen Mayer und Schulze fest, dass sich für die Heranwachsenden im Westen kaum etwas änderte, während es im Osten eine harte Zäsur gab. Sie waren auf das Leben in einer Gesellschaftsordnung vorbereitet worden, die nun nicht mehr existierte. Im Westen war die Erziehung durch eine Spannbreite von religiöser Prägung bis zur Antiautorität geprägt; im Osten hatten Einordnungsbereitschaft, Hierarchie und Disziplin eine höhere Bedeutung, zudem war das Leben „durch vielfältige Sozialkontakte und -erfahrungen im Kollektiv“ (85) bestimmt. Die ostdeutsche Erfahrung, dass neben der Ganztagsschule wenig Zeit für Sport, Vereine und die Familie blieb, wird meist positiv geschildert. Für jene, die sich jedoch in dieses Muster nicht einpassten, werden „massive Einschränkungs- und Ausgrenzungserfahrungen deutlich“ (86). Als Konsequenzen dieser Sozialisation benennen die Autoren hohe Selbstdisziplin, Anpassungs- und Unterordnungsbereitschaft, Verantwortungsübernahme und Flexibilität. Die Befragten betonen den Nutzen dieser Eigenschaften für die Nachwendezeit. Und tatsächlich zeigt sich, dass die westdeutschen Befragten stärker von Problemen der Berufsfindung, der Zukunftsangst und eines Gefühls mangelnder Reife in Beziehungs- und Kinderfragen geplagt waren. So fassen Mayer und Schulze zusammen, dass die ostdeutschen Befragten „trotz der viel schwierigeren Umstände einen aktiveren, zupackenderen und zufriedeneren Eindruck als die Westdeutschen“ (173) machen.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.352.315 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Karl Ulrich Mayer / Eva Schulze: Die Wendegeneration. Frankfurt a. M./New York: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31423-die-wendegeneration_37406, veröffentlicht am 28.01.2010. Buch-Nr.: 37406 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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