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/ 21.06.2013
Norbert Frei

1968. Jugendrevolte und globaler Protest

München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2008; 286 S.; kart., 15,- €; ISBN 978-3-423-24653-8
Frei, Professor für Neuere und Neueste Geschichte in Jena, setzt die vor allem von jungen Menschen getragenen politischen Bewegungen und Revolten vornehmlich in der zweiten Hälfte der 60-Jahre in Beziehung. Er schildert die Ereignisse als zwar jeweils nur in ihrem nationalen Kontext verständlich, stellt aber dennoch die Übernahme von Protestformen und Strategien sowie eine Kommunikation über Ländergrenzen hinweg fest. Der Schwerpunkt liegt auf den Ereignissen in der Bundesrepublik, die Herausbildung eines kritischen Bewusstseins hier sieht er durch die „unaufgeräumten Lasten der Vergangenheit“ (84) bedingt, die die Verständigungswege zwischen der NS-Funktionsgeneration und ihren Kindern versperrten. Den Ausgangspunkt der Protestbewegung aber lokalisiert Frei in den USA mit einer Bürgerrechtsbewegung, die vor dem Hintergrund der Rassendiskriminierung für „ungeteilte Bürgerrechte, eine umfassende politische Partizipation und für die konkrete Utopie einer neuen Gesellschaft“ (31) eintrat – Ziele, für die im Kern auch alle anderen Protestbewegungen standen, wie Frei mit Blick auf Japan, Italien, die Niederlande und Großbritannien sowie auf die Ostblockstaaten Tschechoslowakei, Polen und die DDR beschreibt. Die Proteste und deren Ergebnisse unterschieden sich in Ost und West allerdings wesentlich. Während im Osten die Niederschlagung des zuvor von mehreren Generationen getragenen Prager Frühlings „als Symbol der gescheiterten Versöhnung von Demokratie und Sozialismus“ (189) steht, führten die Proteste im Westen, die ihren Ausgangspunkt vor allem in der Kritik an den nicht mehr zeitgemäßen Strukturen der Universitäten nahmen und sich länderübergreifend gegen den Vietnam-Krieg richteten, zu gesellschaftlichen Veränderungen: Frei nennt bezogen auf die Bundesrepublik vor allem die Frauen-, Ökologie- und Friedensbewegungen. Er sieht deshalb „68“ auch nach vier Jahrzehnten „weiter in Bewegung, noch immer eher Gegenwart als Geschichte“ (210).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.22.222.3132.3142.3312.352.612.642.68 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Norbert Frei: 1968. München: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29074-1968_34339, veröffentlicht am 21.05.2008. Buch-Nr.: 34339 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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