/ 17.06.2013
Christoph Haferburg
Suburbane Wohngebiete im postrassistischen Südafrika. Das Beispiel Midrand-Countryview
Hamburg: Institut für Afrika-Kunde 2000 (Arbeiten aus dem Institut für Afrika-Kunde 106); VI, 147 S.; 11,- €; ISBN 3-928049-63-1Geograph. Diplomarbeit Hamburg. - Haferburg bemüht sich zu zeigen, "wie schnell auch aufklärerisch gestimmte Wissenschaftler alten reaktionären Denkmustern verfallen" (Information des Hamburger Instituts für Afrika-Kunde). Das empirische, auf einem (nach nicht spezifizierten Zufallskriterien ausgewählten) Sample des Umfangs n=56 basierende Teil der "Fallstudie" nimmt genau 50 der 132 Textseiten ein und wirkt in Inhalt und Ergebnis weitgehend losgelöst vom eigentlichen Schwerpunkt der Arbeit. Diesen bildet nämlich ein unverhohlen neomarxistisches Manifest. Haferburg lehnt u. a. die klassischen Segregationstheorien der Chicagoer Schule ab und verwirft sämtliche darauf aufbauenden Arbeiten in teilweise schon diffamierender Weise (z. B. U. Jürgens 1991). Kategorien wie "Rasse" (auch im "neuen" Südafrika weiterhin Kriterium in amtlichen demographischen Statistiken), "Ethnie", ja sogar "Geschlecht" hält Haferburg für Konstrukte, die letztlich nur der Perpetuierung "kapitalistischer Produktionsweise" und der "Fragmentierung eines Klassenbewußtseins" (67) dienen. Vor seiner wesentlich auf David Harvey (1985) fußenden Interpretationsmatrix wird die Geschichte der Apartheid ebenso erklärt wie Phänomene im "neuen" Südafrika. Der Text ist - sofern man sich an sprachlichen Monstranzen der Political Correctness ("mensch" statt "man", "BurInnen", "SklavInnen" usw.) nicht stört - gut lesbar. Der Hamburger Diplomgeograph will seit 1999 als Mitarbeiter eines DFG-Sonderforschungsbereichs inhaltlich an seine Arbeit anknüpfen.
Aus dem Inhalt: 2. Entstehungszusammenhänge von Segregationsmechanismen und ihre Wirkungen auf Stadtentwicklung in Südafrika: 2.1 Historischer Überblick: Stadtentwicklungsstrategien vor und während der Apartheid; 2.2 Aktuelle Trends der Stadtentwicklung und stadtpolitischer Diskurs. 3. Rassismusdiskurs und Bevölkerungskategorien; 4. Segregationstheorien als Erklärungshilfe: 4.1 Klassische Segregationstheorien - Ist die Chicagoer Schule noch relevant?; 4.2 Neuere Ansätze: Die Bedeutung des sozioökonomischen Systems. 5. Die Entwicklung des Suburbs Countryview (Midrand): 5.1 Methodik und Durchführung der Erhebung; 5.2 Die Entwicklung Countryviews im Kontext der Entwicklung Midrands.
Andreas Beckmann (AB)
M. A., Doktorand, Institut für Sozialwissenschaften, Bereich Politikwissenschaft, Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.67 | 2.263 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Andreas Beckmann, Rezension zu: Christoph Haferburg: Suburbane Wohngebiete im postrassistischen Südafrika. Hamburg: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16450-suburbane-wohngebiete-im-postrassistischen-suedafrika_18891, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18891
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M. A., Doktorand, Institut für Sozialwissenschaften, Bereich Politikwissenschaft, Universität Kiel.
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