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/ 21.06.2013
Anna-Lisa Müller

Sprache, Subjekt und Macht bei Judith Butler

Marburg: Tectum Verlag 2009; 150 S.; pb., 24,90 €; ISBN 978-3-8288-9835-6
Die Arbeiten Butlers werden in Deutschland vor allem unter dem Gender-Aspekt rezipiert. In diesem Buch nimmt die Autorin nun Butlers allgemeine Kulturtheorie in den Blick. Ihr besonderes Augenmerk gilt der Rolle, die der Sprache bei der Subjektbildung und der Konstitution, Konservation und Subversion gesellschaftlicher Machtverhältnisse zukommt. Müller zeigt die Tradition auf, in der das Denken Butlers steht. So finden u. a. John L. Austins Sprechakttheorie, Michel Foucault oder Louis Althusser Erwähnung. Die Eingangsthese ist, dass sich „Butlers Sprachbegriff von einem diskursiven zu einem stärker performativ orientierten Begriff entwickelt“ (11). Entlang von Butlers Werkchronologie entwickelt Müller so Butlers Machtbegriff an verschiedenen Diskursen. Diese wirken von außen auf das Subjekt ein, aber das Subjekt wirkt auch auf andere Subjekte und Diskurse ein. Diese „Möglichkeit der Subversion“ (41) ergibt sich durch Butlers Integration des Modells der Iterierbarkeit nach Jacques Derrida. Mit der Wiederholung von Zeichen und auch Handlungen gehen zwangsläufig Verschiebungen einher, die „die hegemoniale Ordnung destabilisieren“ (41) können. Am Beispiel der Geschlechtsidentität als diskursiver Konstruktion erläutert Müller, woher ein Widerstand gegen den Diskurs kommt. Heterosexuelle Identität entsteht somit durch Unterwerfung unter den heterosexuellen Diskurs. In Anlehnung an die Psychoanalyse blieben jedoch Spuren des Verbots, der Homosexualität, im Inneren des Subjekts erhalten. Schließlich unternimmt die Autorin einen Vergleich zwischen Butlers dynamischem Konzept sozialer Praktiken und dem eher statischen Konzept Pierre Bordieus, um daraus den Vorschlag zu einer Synthese beider Ansätze zu bilden. Denn, so resümiert Müller, es bleibt fraglich, „ob der Sprecher überhaupt die Möglichkeit wahrnehmen kann, gegebenenfalls Resignifizierungen vorzunehmen bzw. wie wirksam solche Umdeutungen gesamtgesellschaftlich sind“ (142).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.465.42 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Anna-Lisa Müller: Sprache, Subjekt und Macht bei Judith Butler Marburg: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30897-sprache-subjekt-und-macht-bei-judith-butler_36717, veröffentlicht am 02.09.2009. Buch-Nr.: 36717 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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