/ 21.06.2013
Martina Thiele / Tanja Thomas / Fabian Virchow (Hrsg.)
Medien – Krieg – Geschlecht. Affirmationen und Irritationen sozialer Ordnungen
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010 (Medien – Kultur – Kommunikation); 363 S.; 34,95 €; ISBN 978-3-531-16730-5Kriege und Konflikte verändern Gesellschaften. Gleiches gilt, wenn auch im weitaus geringeren Maße, für ihre mediale Rezeption – insbesondere in Bezug auf Geschlechterordnungen. Ein Beispiel hierfür sind sich verändernde Rollenzuschreibungen, wenn Frauen als Soldatinnen bislang männlich dominierte Aufgaben übernehmen oder im Rahmen eines Kriegszieles wie im Falle Afghanistans aus patriarchalen Strukturen befreit werden sollen. Die Autoren stellen fest, dass Kriege einerseits eine traditionelle Rollenaufteilung und die Entgegensetzung von Männlichkeits- und Weiblichkeitskonzepten verfestigen, andererseits potenziell auch zu einer Veränderung bestehender Geschlechterordnungen und -praktiken führen können. Sie schreiben den Medien, die Wahrnehmungs- und Deutungsmuster anbieten sowie Erfahrungsmöglichkeiten eröffnen und begrenzen, in diesen Prozessen der sogenannten Affirmation und Irritation sozialer Ordnungen eine entscheidende Rolle zu. Beispielhaft ist der Beitrag von Susanne A. Friedel. Sie untersucht die Bedeutung der Israel Defense Forces für die Konstruktion weiblicher Identität. Vor dem Hintergrund, dass sich Körperideale angesichts zunehmender Visualisierung verstärkt in bildlich medialen Körperrepräsentationen ausdrücken, analysiert Friedel die Darstellungen von Soldatinnen des israelischen Militärmagazins Bamahaneh. Ihr fällt auf, dass bei den meisten der abgebildeten Soldatinnen über die Uniform hinaus keine weiteren Hinweise auf ihren militärischen Status zu finden sind. Sie beobachtet des Weiteren, dass bei einer männlicheren Inszenierung der Soldatinnen auch die Betonung des sexuellen Objektstatus der Abgebildeten zunehme. So schweben Mündungsrohre von Panzern Phallussymbolen gleich über den Soldatinnen oder sie suggerieren durch ihre Pose Passivität und sexuelle Verfügbarkeit sowie die Unfähigkeit zur Selbstverteidigung. Insgesamt gesehen werden hier also zumindest in der bildlichen Darstellung gesellschaftliche Stereotypen auf die neue Rolle übertragen.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.22 | 2.27 | 4.41 | 2.63 | 2.68 | 2.64 | 2.25 | 4.1 | 2.333
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Martina Thiele / Tanja Thomas / Fabian Virchow (Hrsg.): Medien – Krieg – Geschlecht. Wiesbaden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31757-medien--krieg--geschlecht_37846, veröffentlicht am 26.07.2010.
Buch-Nr.: 37846
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Politikwissenschaftlerin.
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