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/ 18.06.2013
Leonhard Bauer / Klaus Hamberger (Hrsg.)

Gesellschaft denken. Eine erkenntnistheoretische Standortbestimmung der Sozialwissenschaften. Politische Philosophie und Ökonomie

Wien/New York: Springer 2002; XIV, 375 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 3-211-83733-7
Die großen Debatten über Möglichkeiten einer erkenntniskritischen Begründung der Sozialwissenschaften in Abhebung von den Naturwissenschaften - sei es im Kontext des Weber'schen Objektivitätspostulats, sei es im so genannten Positivismusstreit als Auseinandersetzung mit der Idee einer "Einheitswissenschaft" - sind längst Teil der Wissenschaftsgeschichte geworden. Durch den Methodenpluralismus und eine vielfach praktizierte Interdisziplinarität in Forschungsprojekten werden sozialwissenschaftliche Grundlagenprobleme heute vielfach an konkreten Fragestellungen aufgeworfen und betreffen die Vereinbarkeit analytischer Konzepte oder interpretatorischer Paradigmen. Neben einem Rückblick auf exemplarische historische Kontroversen greifen die Beiträge methodologische Fragen unter anderem am Modellbegriff, der zunehmenden Formalisierung sozialwissenschaftlicher Analysen beispielsweise im Umkreis der Spieltheorie oder der Reichweite konstruktivistischer Ansätze auf. Der Sammelband geht auf ein interdisziplinäres Symposium der Wirtschaftsuniversität Wien vom Juni 1999 zurück. Inhalt: 1. Sozialwissenschaftliche Modellbegriffe: Nancy Cartwright: Die vergebliche Strenge der Ökonomie - Theoretische Modelle und Galileische Experimente (3-18); Arnis Vilks: Zum erkenntnistheoretischen Status formaler Modelle in der Wirtschaftswissenschaft (19-31); Wolfgang Pircher: Über den Begriff des Gesetzes in der Ökonomie (33-46); Harald Katzmair: Modell, Gesetz und Regel - Der strukturalistische Modellbegriff aus erkenntniskritischer Perspektive (47-57); Karl H. Müller: Die Auflösung des Modellierungs-Dilemmas in den Sozialwissenschaften (59-76). 2. Sozialwissenschaft und Naturwissenschaft: Jean Petitot: Die Mathematik und die Naturalisierung der Humanwissenschaften (79-89); Peter Weise: Der Beitrag der Synergetik zur Einheit der Sozialwissenschaften (91-112); Wolfgang Hofkirchner: Das Paradigma der Selbstorganisation - Fragen der Übertragbarkeit von Sichtweisen aus den Naturwissenschaften auf die Sozialwissenschaften (113-124); Peter Kappelhoff: Handlungssysteme als komplexe adaptive Systeme: Überlegungen zu einer evolutionären Sozialtheorie (125-152); Klaus Hamberger: "Sozio-Logik" und "Symbolische Form" - Das Erkenntnisproblem im Horizont der Sozialwissenschaften (153-174). 3. Sonderwege sozialwissenschaftlichen Denkens: Johann August Schülein: Schwierigkeiten konnotativer Theorien - Über Balanceprobleme sozialwissenschaftlicher Erkenntnis (177-187); Hermann Rauchenschwandtner: Die Kultur zwischen Begriff und Symbol: Kultur als erkenntniskritische Fundierung der sozialen Welt im Neukantianismus (189-203); Michael Benedikt: Thesen zur transzendentalphilosophischen Herleitung der Kategorien angesichts der Relationen abstrakter Technik, Institutionen und Tauschformen (205-214); Elke Muchlinski: "Transzendentaler Realismus" oder Transformation der Kategorien? (215-234); Pier Paolo Portinaro: Vom Konstruktivismus zum Methodenanarchismus - Eine nüchterne Bilanz der Sozialwissenschaften (235-247). 4. Historische Paradigmen: Gideon Freudenthal: "Substanzbegriff und Funktionsbegriff" als Zivilisationstheorie bei Georg Simmel und Ernst Cassirer (251-276); Hans Pühretmayer: Epistemologie ohne Herrschaftsansprüche: Zu Althussers polemischer Bestimmung des Verhältnisses von Philosophie und Sozialwissenschaften (277-294); Stanley L. Paulson: Kelsens Reine Rechtslehre und die Grenzen transzendentaler Argumentation (295-307); Erich W. Streissler: Wirtschaftliche Entscheidungstheorie als Angelpunkt der Österreichischen Schule der Nationalökonomie (309-318); Thomas E. Uebel: Heterodoxer Neopositivismus als Antwort auf den "Methodenstreit"? - Die Philosophie der Sozialwissenschaften im langen Schatten einer alten Debatte (319-343).
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.4 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Leonhard Bauer / Klaus Hamberger (Hrsg.): Gesellschaft denken. Wien/New York: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17051-gesellschaft-denken_19591, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19591 Rezension drucken
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