/ 11.06.2013
Andreas Becke
Gandhi zur Einführung
Hamburg: Junius 1999 (Zur Einführung 210); 169 S.; brosch., 24,80 DM; ISBN 3-88506-310-7Becke will mit seiner Einführung "über den 'Mythos Gandhi' aufklären und ein realistisches, wirklichkeitsgetreues Bild von ihm zeichnen" (8). In der Tat trägt er viele Informationen zusammen, die das "Idol" Gandhi in etwas differenzierterer Perspektive erscheinen lassen, ohne jedoch dessen Ausnahmecharakter zu verneinen. Dazu vereint das Buch biographische Informationen mit einer Analyse wichtiger Begrifflichkeiten und Konzepte Gandhis. Becke stützt sich auf diverse Schriften Gandhis und arbeitet überzeugend Kernpunkte seines ethischen wie politischen Denkens ("Non-cooperation") heraus. Unterbrochen wird die Darstellung durch teils hilfreiche, teils weitschweifige "Exkurse" zum Jainismus, der "Bhagavadgita", "Tolstoi und Gandhi" sowie "Philosophie" und "Wahrheit". Neben den unbestreitbaren politischen Wirkungen und ethischen Orientierungen wird das Bild eines Menschen erkennbar, "der jede Form der modernen, europäischen Zivilisation radikal ablehnte und nur die alte indische Agrargesellschaft für lebenswert hielt" (142). Becke kritisiert Gandhi bis hin zum Vorwurf des Chauvinismus: Gandhis abwertender Umgang mit Frauen sowie seine Thesen zur Überlegenheit Indiens und der hinduistischen Religion seien in ihrer Radikalität kaum von den Vorstellungen seines Attentäters zu unterscheiden. Gleichwohl hält auch Becke Gandhi für eine wegweisende Persönlichkeit, dessen Ethik - mehr noch als sein Mythos - nutzbringende Überlegungen für die Gestaltung von Politik bereithalte.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 5.46
Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Andreas Becke: Gandhi zur Einführung Hamburg: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10530-gandhi-zur-einfuehrung_12449, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12449
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Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
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