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/ 21.06.2013
Norbert Frei / Ralf Ahrens / Jörg Osterloh / Tim Schanetzky

Flick. Der Konzern, die Familie, die Macht

München: Karl Blessing Verlag 2009; 912 S.; geb., 34,95 €; ISBN 978-3-89667-400-5
Der Name von Friedrich Flick sei „zum Synonym für politischen Opportunismus und den skrupellosen Einsatz wirtschaftlicher Macht geworden“ (8), schreiben die vier Historiker einleitend zu ihrer Gemeinschaftsarbeit, die auf Initiative der Enkeltochter des Porträtierten entstanden ist. Zu lesen ist die Lebensgeschichte eines Unternehmers, die außergewöhnlich ist und sich doch eignet, die Besonderheiten der deutschen Wirtschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts herauszuarbeiten – über die verschiedenen politischen Systeme hinweg: Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Bundesrepublik. Auffällig sind die Konstanten, die Flicks unternehmerisches Agieren auszeichneten: Er handelte vornehmlich aus ökonomischen Motiven heraus und operierte „hart am Rande der Legalität“ (10). Immer wieder schaffte er es, die politischen Absichten der Regierenden finanziell für sich zu nutzen, im Ringen um Oberschlesien, als Rüstungsproduzent für die Nationalsozialisten und bei der Rettung seines Konzerns vor einer Zerschlagung durch die Alliierten. Flick wird als unbeirrbar beschrieben, seine Verurteilung als Kriegsverbrecher löste keinerlei Nachdenken aus. Den Erben von „arisierten“ Unternehmen, die er übernommen hatte, verweigerte er so weit wie möglich eine Erstattung. Und für die ehemaligen Zwangsarbeiterinnen, die für ein Unternehmen hatten arbeiten müssen, das er nach dem Krieg übernahm, fühlte er sich erst recht nicht zuständig – eine Haltung, die von seinen Erben lange Zeit übernommen wurde. Sein Sohn Friedrich Karl Flick setzte die „Tradition“, nur im eigenen Interesse zu arbeiten, auf seine Art fort, als er sich mittels Bestechung einige Steuerfreiheiten sicherte. Diese Flick-Affäre, die die politische Landschaft der Bundesrepublik schwer beschädigte, bedeutete schließlich das Ende des Konzerns, den Flick als Familienunternehmen – erfolglos – hatte verankern wollen. Insgesamt dürfte diese Biografie für Historiker von Interesse sein. Aus politikwissenschaftlicher Sicht mag man bedauern, dass die Entscheidungsfindungen der Regierungen, mit denen Flick verhandelte, nicht tiefer ausgeleuchtet werden.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.32.3122.313 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Norbert Frei / Ralf Ahrens / Jörg Osterloh / Tim Schanetzky: Flick. München: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31083-flick_36955, veröffentlicht am 28.01.2010. Buch-Nr.: 36955 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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