/ 20.06.2013
Thomas Schwinn (Hrsg.)
Die Vielfalt und Einheit der Moderne. Kultur- und strukturvergleichende Analysen
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2006; 308 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 978-3-531-14427-6Der soziologischen Modernisierungstheorie in ihrer klassischen Ausprägung liegen Prämissen zugrunde, die heute mehr und mehr fraglich geworden sind. Das gilt für die strikte Unterscheidung von Tradition und Modernität ebenso wie für die Annahme, in modernen Gesellschaften bestehe eine wechselseitige Abhängigkeit zwischen zentralen Bereichen wie beispielsweise Demokratie und Marktökonomie. Problematisch erscheinen auch Vorstellungen, die der westlichen Kultur entlehnten Modernitätsmerkmale würden einen universellen Trend abbilden, sodass sich einzelne Gesellschaften nur noch im Grade ihrer Modernität voneinander unterscheiden. Dieses lineare Bild einer singulären Moderne ist nicht nur wegen des impliziten Eurozentrismus kritisiert worden, auch dessen latenter Optimismus lässt sich angesichts der Katastrophen des 20. Jahrhunderts nicht aufrechterhalten. Die neuere, nicht nur in den Sozialwissenschaften stark ausdifferenzierte Debatte betont demgegenüber die Heterogenität moderner Vergesellschaftung. So etwa wenn darauf hingewiesen wird, dass es auch im europäisch-amerikanischen Kontext kein homogenes Bild von Modernität gegeben habe, oder dass in den an den Zusammenbruch der sozialistischen Gesellschaften anschließenden Transformationsprozessen unterschiedliche Varianten von Modernität erkennbar geworden sind. Diese Vielfalt der Perspektiven versucht ein neues Forschungsprogramm konzeptionell einzufangen. Unter dem Titel „Vielfalt der Moderne“ wird zum Ausdruck gebracht, dass die Entwicklungen nicht-westlicher Gesellschaften die Soziologie zwingen, sich von eindeutigen Bestimmungen der Moderne zu verabschieden und offener für Ordnungsformen und -kombinationen zu sein. Doch bei aller Offenheit für die Vielfalt in der Moderne wollen sich die Autoren des Sammelbandes nicht auch von der Idee der Einheit der Moderne verabschieden.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2 | 5.42 | 2.3 | 2.64 | 2.68
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Thomas Schwinn (Hrsg.): Die Vielfalt und Einheit der Moderne. Wiesbaden: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25154-die-vielfalt-und-einheit-der-moderne_29120, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29120
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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