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/ 22.06.2013
Wolfgang Haber

Die unbequemen Wahrheiten der Ökologie. Eine Nachhaltigkeitsperspektive für das 21. Jahrhundert

München: oekom verlag 2010 (Carl-von-Carlowitz-Reihe 1); 69 S.; 12,90 €; ISBN 978-3-86581-217-9
Der Band bildet den Auftakt einer Vorlesungsreihe des Rates für Nachhaltige Entwicklung, mit der das Ziel verfolgt wird, die Erkenntnisse verschiedener wissenschaftlicher Perspektiven zusammenzuführen, zu diskutieren und konkrete Handlungsoptionen für eine nachhaltige Entwicklung aufzuzeigen. Nachhaltigkeit wird hier einer Definition der Weltkommission der Vereinten Nationen zufolge verstanden als eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne dabei die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden. Hans Carl von Carlowitz kritisierte bereits im 17. Jahrhundert die kurzsichtige Ausrichtung der Wirtschaftspolitik. Stein des Anstoßes war damals die rigorose Abholzung sächsischer Wälder für den Silber- und Erzabbau unter August dem Starken. Von Carlowitz empfahl eine nachhaltige Nutzung des Holzes mit dem Ziel, die Ressourcenzerstörung zu beenden und gilt seither als Vater der Nachhaltigkeit. Haber analysiert zunächst die Prinzipien der Ökologie und die damit verbundenen Lebens- und Wachstumsgrundlagen. Der Weg in eine nachhaltige Zukunft könne nur gelingen, wenn wir uns auf die Realität besinnen und unseren Blick auf die Schlüsselprobleme des 21. Jahrhunderts richten, auf die Endlichkeit der Ressourcen und das immense Bevölkerungswachstum. Zu den sogenannten unbequemen ökologischen Wahrheiten zählt der Autor die Behauptung „Leben ist Kohlenstoff“ (38). Mit dem Argument, dass alles höhere Leben auf grüne Pflanzen angewiesen ist, die für die Photosynthese CO2 benötigen, entkräftet er Forderungen nach CO2-freien Städten und Regionen. Darüber hinaus durchmische selbstverständlich auch der zum Antrieb von Windanlagen benötigte Wind die Luftschichten und transportiere deshalb auch CO2. Haber kritisiert solche Vorstellungen als „Wunschökologie“ (38), fernab von physikalischen und biologischen Tatsachen und verweist darauf, dass vor allem bestehende koloniale Abhängigkeiten einer nachhaltigen globalen Entwicklung langfristig im Wege stehen.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.342.262.2 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Wolfgang Haber: Die unbequemen Wahrheiten der Ökologie. München: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33021-die-unbequemen-wahrheiten-der-oekologie_39448, veröffentlicht am 08.12.2010. Buch-Nr.: 39448 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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