/ 17.06.2013
Heinrich Jordis von Lohausen
Denken in Völkern. Die Kraft von Sprache und Raum in der Kultur- und Weltgeschichte
Graz/Stuttgart: Leopold Stocker Verlag 2001; 271 S.; hc., 20,40 €; ISBN 3-7020-0918-3Der Autor versammelt eigene Beiträge aus den vergangenen Jahren und knüpft damit erklärtermaßen an sein bereits 1979 erschienenes Buch "Mut zur Macht - Denken in Kontinenten" an. Nur ist jetzt die Perspektive eine andere. "Die Erdoberfläche ist das Spielfeld der Geschichte," schrieb von Lohausen damals, "der Mensch der Spieler." (8) Untersuchte er 1979 noch Geopolitik und Geschichte als von geographischen Gegebenheiten mitgestaltet, so rücken jetzt die Spieler in den Mittelpunkt. Geschichte, so von Lohausen, leite sich letztlich von der menschlichen Einbildungskraft ab, denn an ihr entzünde sich der Wille, der für das Erringen von Macht und damit für den Erfolg in der Geschichte wesentlich ist. Insofern gelte: "Geschichte ist verwirklichte Phantasie", die allerdings neben den Menschen immer auch mitbestimmt wird durch "jenseitige Mitspieler", durch die "aus anderen Welten wirkenden Schicksalsmächte", also durch "die 'Zufälle', die in Wahrheit keine sind" (9).
Inhalt: Denken in Völkern: Werde, der du bist; Konflikte der Zugehörigkeit; Völker und Völkerverwandtschaften; Völker als Erlebnisgemeinschaften; Nicht ziemt Gleiches den Ungleichen; Stammeshäuptling oder Landesherr; Staatsgrenzen und Volksgrenzen; Völker oder Nationen?; Vielvölkerländer, Reich und Staat; Königgrätz - Österreichs Trauma und weltgeschichtliche Wende; "Common sense" und "volonté générale"; Hannover und Elsaß; Völker aus anderer Sicht; Wehrpflicht und Abtreibung; Bedingungslose Übergabe; Völker ohne Staat: Not der Kurden; Staaten sind keine Gedanken Gottes; Durchbruch der Völker; Rußland und Deutschland. Denken in Sprachen: Nicht das Schwert allein ...; Der Sprachwechsel der Rom unterwerfenden Germanen; Der Rückfall der fränkischen Mächte; Woran starben Amerikas Sprachen? - Eine Volkszählung 1979; Der Zauber des Englischen; Eine Legende und ihr verborgener Sinn; Die Amerika in die Wiege gelegte Vielsprachigkeit; Die unpolitischen Deutschen; Zweierlei Pariser Politik; Friedrich der Große und sein Adjutant; Niederländer und Schweden; Eine unvollständig gebliebene Verfassung; Die "Wasp"; Die verkannte Gefahr; Zweierlei Kelten; Echt und unecht; Eine unterschwellige Revolution; Gleichberechtigt, aber nicht gleich; Drei Revolutionen; Der Schmelztiegel; Die Yankees und die Aristokraten des Südens; Der Sezessionskrieg; Die "Salatschüssel"; Die Tragik der Deutschamerikaner; Die Indianer - ein Geschenk; Der perfekte Völkermord; Die Einzigartigkeit des nordamerikanischen Völkermordes; Das Karma der Vereinigten Staaten; Zwei angelsächsische Weltreiche; Das andere Amerika. Denken in Räumen: Das Deutsche Reich in Schrumpfung und Ausdehnung; Mitteleuropa und der Donauraum; Wien und Belgrad als geopolitische Antipoden; Europa versteht den Balkan nicht, Amerika braucht ihn nicht zu verstehen; Der Ostseeraum; Zwischeneuropa - was ist das?; Europa und das 20. Jahrhundert; Zukunftskriege - Kriege um Energie, Wasser und Brot; Die geopolitische Bedeutung des iranischen Hochlands.
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 4.1 | 5.1
Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Heinrich Jordis von Lohausen: Denken in Völkern. Graz/Stuttgart: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15234-denken-in-voelkern_17315, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 17315
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M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
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