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/ 12.06.2013
Heiner Timmermann (Hrsg.)

Das war die DDR. DDR-Forschung im Fadenkreuz von Herrschaft, Außenbeziehungen, Kultur und Souveränität

Münster: Lit 2004 (Dokumente und Schriften der Europäischen Akademie Otzenhausen 128); 788 S.; brosch., 59,90 €; ISBN 3-8258-8167-9
Der Titel dieses Tagungsbandes hätte auch eine Nummer kleiner ausfallen dürfen, denn es werden weder letzte Weisheiten über den untergegangenen deutschen Teilstaat verkündet noch alle Aspekte seiner Existenz dargestellt. Die Beiträge gliedern sich in die Kapitel Herrschaft und Alltag, Außenbeziehungen, Kultur sowie die Frage, wie souverän die beiden deutschen Staaten waren. Angesichts des unglücklich gewählten Buchtitels ist man verleitet, als erstes nach dem zu suchen, was alles fehlt – beispielsweise Beiträge über den sowjetischen Einfluss auf die Gründung der DDR, die ideologisierte Bildungspolitik, die Frage, welchen Einfluss die Propaganda der SED auf das Denken der Menschen hatte und sehr vieles mehr. Tatsächlich aber hat der Band auch vieles zu bieten, es werden aufschlussreiche Einzel/index.php?option=com_content&view=article&id=41317 behandelt, so die Parallelen und Unterschiede bei den Häftlingsprotesten in der Sowjetunion und in der DDR nach dem Tod Stalins oder der Versuch, die Jugendmode als Mittel der politischen Beeinflussung zu nutzen. Die Schriftstellerin Gabriele Stötzer vermittelt einen Eindruck aus erster Hand, was ein Mensch zu erleiden hatte, der auf einer eigenen Meinung bestand. Im Vergleich dazu ist der Beitrag von Mary Fulbrook nicht überzeugend: Sie versucht, das Empfinden eines „normalen Lebens“ in der DDR sozialwissenschaftlich zu erfassen und schreibt der DDR eine tatsächlich stattgefundene Normalisierung zu (die nicht nur Stötzer sicher nicht erlebt hat). Und obwohl sie darauf hinweist, dass die Mehrheit der DDR-Bürger die Diktatur durch die Teilnahme an den Massenorganisationen alltäglich mitgetragen hat, umgeht Fulbrook mit Verweis auf die (unterstellte) Normalisierung die Frage nach den Motiven und Zwängen. Damit bleiben mehr Fragen offen als geklärt werden.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3144.22 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Heiner Timmermann (Hrsg.): Das war die DDR. Münster: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14283-das-war-die-ddr_26460, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 26460 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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