/ 21.06.2013
Steffen Höhne (Hrsg.)
"Amerika, Du hast es besser"? Kulturpolitik und Kulturförderung in kontrastiver Perspektive
Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2008 (Weimarer Studien zur Kulturpolitik und Kulturökonomie 1); 244 S.; brosch., 33,- €; ISBN 978-3-86583-053-6Viele Kulturinstitutionen in Deutschland müssten mit einem weiteren Absinken öffentlicher Zuwendungen rechnen, schreibt Höhne. Für sie scheine sich „ein Weg in einen stärker marktförmig organisierten Dienstleistungssektor abzuzeichnen“ (10). Angesichts dieser Entwicklung, die von einem fundamentalen kulturpolitischen Umdenken geprägt sei und neue Anforderungen an die Akteure in der Kultur stelle, erschienen Vergleiche mit anderen westlichen Gesellschaften sinnvoll. Höhne geht davon aus, dass besonders die USA eine gewisse Vorbildfunktion für die Entwicklung in Deutschland einnehmen. In seiner Übersicht über die Grundlagen von Kulturpolitik und -förderung kommt Höhne allerdings bald auf deutliche Unterschiede, die er unter die Begriffe kompetitiver Individualismus (in den USA) und solidarischer Etatismus (Deutschland) fasst. In beiden kulturpolitischen Systemen kann der Autor Vor- und Nachteile erkennen. Er problematisiert aber auch die integrierende Kraft der US-amerikanischen Kulturindustrie, die zunehmend in einen Konflikt zwischen Amerikanisierung, Pluralismus und Multikulturalismus gerate. Als weiteren wichtigen Aspekt streicht Höhne die Kultur des Fundraisings als einer spezifischen Technik des Kulturmanagements heraus – dessen Erfolg nicht nur auf einem strategischen Vorgehen basiere, sondern auf kulturellen Traditionen und Werten wie Philanthropie, freiwilliges Engagement, Privatinitiative und Gemeinwohlorientierung. Vor diesem Hintergrund erklärten sich die offenkundigen Defizite bei den bisherigen Versuchen, diese Methoden auf Deutschland mit seinem anderen Verständnis von Kultur und Kulturpolitik zu übertragen. Auf diesen Beitrag über die Grundlagen folgen ein weiterer über die Kulturfinanzierung in den USA sowie zwei Fallstudien über die Sinfonieorchester und Musiktheater. In einem fünften Beitrag werden die Internetauftritte US-amerikanischer und deutscher Museen gegenübergestellt, wobei es vor allem um die Potenziale im Marketing geht. Dabei wird den US-Museen ein professionellerer Auftritt, der stärker auf eine Kundenbindung zielt, attestiert.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.64 | 2.263
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Steffen Höhne (Hrsg.): "Amerika, Du hast es besser"? Leipzig: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29816-amerika-du-hast-es-besser_35317, veröffentlicht am 09.12.2008.
Buch-Nr.: 35317
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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