Unser Newsletter 4/2025 ist erschienen
Unser letzter Newsletter für 2025 ist da - mit allen bisherigen Texten aus dem Blogsymposium, Veranstaltungsberichten & vielem mehr. Mit Beiträgen von Hendrik Simon, Alexander Libman, Claudia Brunner, Sabine Jaberg, Gerhard Mangott und vielen mehr.
Liebe Leser*innen,
im Herbst sind wir mit unserem ersten Blogsymposium unter dem Titel „Politikwissenschaftliche Selbstreflexionen in Zeiten des Krieges“ gestartet.
Seit dem Ukrainekrieg und der "Zeitenwende" ist die Nachfrage nach politikwissenschaftlicher Expertise in der Öffentlichkeit stark gestiegen. Doch das politikwissenschaftliche Sprechen über Krieg und Frieden lässt sich nicht auf die sicherheitspolitische Dimension reduzieren, sondern wirft ethische, theoretische und diskursive Fragen auf. Welche gesellschaftliche Aufgabe hat die Disziplin in Kriegszeiten? Spiegelt sich ihre Vielfalt in ihrer medialen Vermittlung angemessen wider? Gibt es blinde Flecken, etwa im Vergleich der politikwissenschaftlichen Begleitung zwischen Ukraine- und Gaza-Krieg? Wir möchten mit diesem Blogsymposium eine Plattform für kontroverse Debatten innerhalb der Disziplin bieten, die diese Fragen beleuchten. Den ausführlichen Problemaufriss für das Symposium finden Sie hier.
Zu Beginn zeichnete Hendrik Simon die jüngsten Debatten zwischen Sicherheits- und Friedensforschung nach und forderte mehr kontroversen, aber konstruktiven Streit sowie die Stärkung von Friedensperspektiven. Gerhard Mangott diagnostizierte einen problematischen Aktivismus von Wissenschaftler*innen in der deutschen Ukrainekriegsdebatte, der zu moralischem Bekenntniszwang statt nüchterner wissenschaftlicher Analyse führe. Elvira Rosert verdeutlichte den Nutzen von IB-Theorien für öffentliche Debatten, die dabei helfen würden, Fehler zu analysieren und nachhaltige Ordnungs- und Sicherheitsentwürfe zu entwickeln. Besonders das Konzept der Resilienz sei ein sinnvolles Leitprinzip im Umgang mit Russland. Claudia Brunner kritisierte, dass viele politikwissenschaftliche Expert*innen "Herrschaftsdienst" leisten und so zur Militarisierung der Gesellschaft beitragen würden. Auch Sabine Jaberg zielte in ihrem Plädoyer für friedenswissenschaftliche Resilienz in eine ähnliche Richtung, indem sie anhand der Beispiele "Zeitenwende" und "Staatsräson" argumentierte, dass ein Teil der Friedensforschung zunehmend sicherheitspolitischen Logiken folge. Alexander Libman warf in seinem Text Licht auf die Schwierigkeiten und Herausforderungen, mit denen die politikwissenschaftliche Russlandforschung seit dem russischen Angriff auf die Ukraine konfrontiert ist.
In der zweiten Runde argumentiert Antje Wiener mithilfe der Methoden der Normenforschung, weshalb es sich bei der Normenkollision zwischen Staatsräson und Völkerstrafrecht um ein hausgemachtes Problem der deutschen Politik handelt, das politisch aufgelöst werden kann. Frank Gadinger analysiert in seinem Text aus Perspektive der Narrativforschung die Entwicklung und Bedeutung konkurrierender Kriegserzählungen im Zuge des Ukraine-Kriegs. Simon Koschut widmet sich der unterschätzten Rolle von Emotionen in der Sicherheitspolitik, indem er zeigt, wie Gefühle wie Angst, Empörung und Solidarität beispielsweise Bedrohungswahrnehmungen und die Bewertung sicherheitspolitischer Entscheidungen prägen. Stefan Kroll kritisiert in seinem Text die Tendenz einer „wissenschaftlichen Politikberatung à la carte“, die er in Deutschland beobachtet. Damit bezeichnet er die selektive und instrumentelle Verwendung von wissenschaftlicher Expertise zur Legitimierung politischer Entscheidungen. Zuletzt legte Hanna Pfeifer dar, in welchen Varianten der Genozidvorwurf gegen Israel in Gaza im deutschen Diskurs zurückgewiesen wird.
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