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/ 20.06.2013
Adolf Muschg

Was ist europäisch? Reden für einen gastlichen Erdteil

München: C. H. Beck 2005 (Krupp-Vorlesungen zu Politik und Geschichte 5); 126 S.; geb., 14,90 €; ISBN 3-406-53444-9
Der Titelfrage geht Muschg in essayistischer Form auf den Grund. Er sucht nach den kulturellen Grundlagen Europas, auf welche die Europäische Union langfristig nicht verzichten könne. Politisch oder über wirtschaftliche Erfolge allein würden insbesondere die neuen Mitgliedstaaten „nicht bei der Stange“ (31) gehalten werden können. Muschg beschreibt den Kontinent über seine vielfältigen Spaltungen, aus denen immer wieder große kulturelle Veränderungen resultiert seien. Und er fragt nach seinen Grenzen – die er für kaum vorstellbar, aber dennoch notwendig hält (einen Beitritt der Türkei etwa könne die EU nicht verkraften). Die Titelfrage beantwortet Muschg – „nicht ohne Emphase“ (103) – mit seiner Heimat, der Schweiz. Sein Wunscheuropa zeichnet sich durch Vielfalt, Reflexions- und Konfliktfähigkeit sowie eine Anerkennung des Anderen aus. „Die potentielle Andersgläubigkeit der eigenen Überzeugung bleibt das Kennzeichen einer politischen Kultur, an der sich jede reale Zivilisation messen lassen muss“ (59). Damit bringt Muschg kein neues Modell in den Europadiskurs ein, doch er beschreibt seine Vorstellungen in äußerst intelligenter, anregender Weise. Das recht knappe Buch ist daher für jeden Leser zu empfehlen, der sich für die Fragen der aktuellen Europadebatte interessiert.
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 3.12.612.23 Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Adolf Muschg: Was ist europäisch? München: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24659-was-ist-europaeisch_28485, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 28485 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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