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/ 21.06.2013
Florian Eckert

Vom Plan zum Markt. Parteipolitik und Privatisierungsprozesse in Osteuropa

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2008; 279 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 978-3-531-15703-0
Politikwiss. Diss. Düsseldorf; Gutachter: U. von Alemann. – Die nationalen Strategien beim Umbau der osteuropäischen Wirtschaftssysteme während der 90er-Jahre seien auf die Politik der Regierungsparteien zurückzuführen, schreibt Eckert. Andere maßgebliche Akteure seien für diese Zeit des Systemwechsels nicht festzustellen. Gemäß dem Eigennutz-Axiom geht er davon aus, dass die regierungsverantwortlichen Parteien bemüht waren, die Interessen ihrer Wähler zu bedienen. Damit wird der Wandel von der Plan- zur Marktwirtschaft und die Privatisierung der Staatsunternehmen als ein politisches Projekt verstanden. Ob eine radikale oder graduelle Reform angestrebt wurde oder der Status quo möglichst erhalten bleiben sollte, erklärt Eckert mit der Ausrichtung der Parteien. Diese werden in die Kategorien Pro-Markt-, Pro-Staat und Fokusparteien (diese vertreten z. B. die Interessen einer Minderheit) eingeteilt. Anhand der Transformationen in Bulgarien, Rumänien, der Tschechoslowakei und Polen untersucht Eckert dann, ob die Ausrichtung einer Regierungspartei wie erwartet zu einer spezifischen Strategie führte. Für Bulgarien und Rumänien, wo die alten Eliten 1989 die Macht nicht vollständig aufgeben mussten, wird konstatiert, dass die Privatisierung der Wirtschaft relativ langsam vollzogen wurde, vor allem mit Rücksicht auf die sozialen Folgen. In der Tschechoslowakei dagegen, in der der Kommunismus innerhalb von drei Wochen vollständig kollabiert war und in der die neuen Regierungen kontinuierlich der Kategorie Pro-Markt zuzuordnen sind, verlief die Privatisierung am zügigsten. Aus diesem Modell, in dem also die Korrelation zwischen Parteigruppierung und Privatisierung zur Erklärung der Transformation im Vordergrund steht, fällt allerdings Polen heraus. Dort wurde nicht nur der Systemwandel in einem längeren Prozess zwischen der alten und neuen Elite ausgehandelt. Eckert sieht auch keine Möglichkeit, die Regierungsparteien (insbesondere die Solidarność) zu klassifizieren. Bei diesem Erklärungsmodell bleiben also einige der Zusammenhänge in einer „black box“ (259) verborgen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.612.22.222.262 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Florian Eckert: Vom Plan zum Markt. Wiesbaden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28442-vom-plan-zum-markt_33507, veröffentlicht am 24.04.2008. Buch-Nr.: 33507 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA